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Der Faustkeil als Werkzeug des Geistes

Beim Stöbern in der Bibliothek stieß ich auf Heinrich Rombachs Monumentalwerk "Das Leben des Geistes", eine auch heute noch sehr lesenswerte "Fundamentalgeschichte der Menschheit". Im Kapitel über den Faukeil schreibt Rombach: "Ein Faustkeil formt sich nicht unter stumpfem Drauflosschlagen. Man muß vielmehr mit dem inneren Entgegenkommen des Steins selbst arbeiten. (...) Sodann bedarf es des Versuchs und langer Erfahrung, bis man 'heraushat', wie der Stein springt. Denn nur der springende Stein liefert scharfe Kanten. Es wird dieses und jenes Stück…

Die offene Hose

"Offengestanden gefällt mir Ihre Hose nicht" – mit diesen Worten wurde ich auf einen kleinen Fauxpas aufmerksam gemacht. Ich dachte: "Na und?" Bis mir dann im Nachgang der Sekundenbruchteil auffiel, der zwischen den Wörtern "offen" und "gestanden" angeklungen war. Ich beeilte mich, den bemängelten Zustand diskret zu beseitigen. Und begann zu grübeln. Was ist daran peinlich? Bleibt der Reißverschluss einer Hose unverschlossen, kann man davon ausgehen, dass der Betreffende (fast nie handelt es sich um eine Frau) gerade von der…

Meilenstein

Alles neu macht in diesem Fall nicht erst der Mai, sondern bereits der Januar: Der neue Internetauftritt von wort-und-bogen.de ist online! Schaut euch an, was Sprache bewegen kann. Dank an Torsten Meyer-Bautor für zügige Gestaltung und Umsetzung, Nicole Hein für gewohnt konstruktuive Kritik, Hagen Alkis für das bezaubernde Foto von mir und Matthias Koenig für das Logo in gleich mehreren Farbvarianten!

Sprache und künstliche Intelligenz

Wenn im Folgenden von künstlicher Intelligenz die Rede ist, meine ich nicht all die Programme, die unsere technischen Geräte optimieren, Ampelanlagen und Fertigungsstraßen steuern und menschliches Verhalten überwachen. Gemeint ist die Form künstlicher Intelligenz, die auch in den musischen Bereich vordringt. Heutige Schachcomputer bringen selbst manchen Großmeister ins Schwitzen. Das programmierte Erfahrungswissen aus Tausenden von Weltklassepartien plus die reine Rechenleistung der künstlichen Intelligenz sind stärker das menschliche Gehirn: Die künstliche Intelligenz kann mehr Züge unter Einbeziehung aller möglichen Alternativen vorausberechnen…

Treibgut

Neben wahren Schätzen des Meeres wie Bernstein, versteinerten Seeigeln, anmutigen Schneckenhäusern und Muschelschalen tragen uns die Wellen auch allerlei Unrat zu. Doch der hat ebenfalls eine Geschichte zu erzählen. Müll, der Geschichten erzählt Fragmente eines Netzes, Sonnenmilchflaschen, Konservendosen, Tauenden, Schuhe, Taschen, Koffer, zerfetzte Hemden, Badeanzüge, Sonnenbrillen, Spielzeug – im Unterschied zu Muscheln und Bernstein haben solche Fundstücke immer einen engen Bezug zum Leben eines Menschen: Ging neben dem Fischernetz auch der Fischer selbst bei einem Sturm über Bord? Musste eine…

Sprechende Steine

Je mehr wir über sie wissen, desto mehr erzählen uns die scheinbar stummen Steine. Versteinerungen wie einen Ammoniten können wir nicht nur einem Erdzeitalter, sondern auch einer konkreten Spezies zuordnen. Wir kennen den Lebensraum dieser längst ausgestorbenen Tiere und wissen ziemlich genau, welche anderen Arten damals das Meer bevölkerten. Wir wissen all dies jedoch noch nicht besonders lange. Das Licht der (Selbst-)Erkenntnis Noch vor wenigen Jahrhunderten galt es in der christlichen Welt als ausgemacht, dass das Erdalter nur wenige Tausend…

Flüchtige Monumente

Überall, wo Steine in großer Zahl herumliegen, sind sie unvermeidlich: Steinmännchen, im Fachjargon Balancing stones genannt. Also vor allem an Stränden, aber auch in manchen Bergregionen. Wer baut diese Dinger eigentlich und warum? Bis ich anfing, genauer darauf zu achten, nahm ich stillschweigend an, es wäre Kinderwerk. Doch weit gefehlt. Menschen schichten Steine übereinander. Warum? Meist sind es Leute, Frauen meist, im mittleren Lebensalter. Was treibt diese Menschen dazu, Steine aufzuschichten? Ein Wettbewerb, wer den höchsten baut? Ein schnelles Fotomotiv…

Steinkreise

Rätselnd stehen wir vor den kreisförmigen Steinsetzungen aus der Vorzeit: Wozu dienten sie? Hatten sie eine besondere Funktion, spielten sie womöglich eine herausragende Rolle im Leben der Menschen? Dass sie nicht willkürlich in die Landschaft gestellt wurden, dürfte klar sein. Dazu war der Aufwand viel zu groß, die tonnenschweren Blöcke und Brocken aus oft weit entfernten Gegenden herbeizuschaffen und aufzurichten. Alte Kraftorte Meist wird den Steinkreisen heute eine kultische Bedeutung zugesprochen: Hier fanden Versammlungen statt, wurden Rituale ausgeführt, Opfer erbracht,…

Tempel, Ruinen, Landschaften – Orte des Göttlichen

Nicht nur menschliche Behausungen können zur Ruine werden – auch Tempel und Gotteshäuser sind nicht gegen den Verfall gefeit. Aus der Abwesenheit des Göttlichen resultieren sehr spezielle Ruinen, über die nachzudenken sich lohnt. Doch nicht immer braucht es die Ruine. Auch in menschenleeren Landschaften überkommt einen zuweilen das Gefühl, dass hier mal etwas war - oder künftig sein könnte. Kulissen Nach außen stellen sich viele christliche Gotteshäuser heute wohl prächtiger dar als jemals zuvor in ihrer Geschichte – von kundiger…

Meere aus Stein und unser Wissen über sie

Gebirge und Meere haben manche Gemeinsamkeit: Schroffe Gipfel gleichen hochgehenden Wogen, dem Unkundigen droht die Gefahr von Absturz und Untergang, die Unendlichkeit ruft Gefühle von Glück oder schierer Verzweiflung hervor, feine Wassertropfen bilden hier den Nebel, dort die Gischt. Wissen im Wandel Schon früh entdeckten Menschen im Stein der Gebirge Abdrücke von Tieren, die man sonst nur aus dem Meer kannte: Ammonshörner, Muscheln, Schnecken, Fische. Wie kamen sie hierher? Magische Kräfte? Älteste Zeugen der Sintflut? Es dauerte, bis dem Menschen…