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Rot

Liebe, Herz, Blut, Gefahr, Aggression, Zorn, Energie, Erotik, Wärme, Leidenschaft: Die Farbe Rot steht für die stärksten seelischen Regungen. Das macht sich auch die Werbepsychologie zunutze. Rot weckt Aufmerksamkeit, Besitzgier und Kauflust. Rot geht aber auch mit Raub- und Mordlust einher. Nicht umsonst war Rot stets die Farbe politisch linker Bewegungen. Die Bedeutung dieser Farbe für die menschliche Wahrnehmung ist auf das Blut zurückzuführen. Im Lebenssaft ist alles vereint, Energie und Gefahr ebenso wie Liebe und Leidenschaft. Dass die Farbe…

Gespräch über die Sprache

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Unternehmer. Er ist Geschäftsführer eines Unternehmens mit rund 500 Mitarbeitern. Seine Klage galt zunächst den allgemeinen Zuständen im Land, dann aber speziell dem Verfall der Sprache. Er machte diesen Verfall an drei Indikatoren fest. Bildung Erster Indikator: der Bildungsverfall und damit einhergehend der Verfall der Denkfähigkeit vor allem unter den jüngeren Mitarbeitern unter 30 (er genderte nicht, meinte aber Männer und Frauen) und ohne jeglichen Migrationshintergrund. Die Leute ließen sich von seichten Unterhaltungsangeboten…

Keine großen Umstände bitte

Heute mal was wieder Kulinarisches. Wie auch sonst im Leben schätze ich Genuss bei relativ geringem Aufwand. Die Freude am Essen muss also nicht unbedingt mit komplizierter Vorbereitung einhergehen. Denke ich an die Sonntagsessen meiner Kindheit oder an das, was auch heute noch als sogenannte gutbürgerliche Küche (zu unterscheiden von der gutmenschlichen Küche) gilt, dann standen bzw. stehen neben Fleisch oder Fisch mindestens drei weitere Schüsseln auf dem Tisch: Kartoffeln, Nudeln oder Reis (sogenannte Sättigungsbeilagen) sowie Gemüse und Sauce. Das…

Drei Rabenträume

Raben sind Aasfresser. Sie hielten sich, als das öffentliche Hängen noch in Mode war, gern in der Nähe von Galgen auf, um sich an den Gehenkten gütlich zu tun, Galgenvögel. Deshalb fühlen auch heute manche Leute sich unwohl, wenn ihnen das Krächzen zu nahe kommt. Raben gelten aber auch als sehr intelligente Tiere. Huginn und Muninn, Odins Raben, stehen für Gedanke und Gedenken, also für die Grundpfeiler menschlichen Denkens: ohne Erinnerung kein kluger Gedanke, ohne Gedanken bleibt jede Erinnerung unstrukturiert…

Formenspiele der Natur

Eine Strelitzie im Botanischen Garten Münster. Man kennt die Strelitzia reginae auch unter Namen wie Paradiesvogel-, Papageien- oder Kranichblume. Diese namensgebenden Ähnlichkeiten könnte man leicht abtun als zufällig oder als Akt menschlicher Willkür in der Benennung, denn offensichtlich haben Pflanze und Vogel wissenschaftlich betrachtet nichts miteinander zu tun. Die Formensprache verweist allerdings auf etwas anderes: Die Gestaltungskraft der Natur mag unendlich sein, dennoch erlaubt sie sich erheiternde Rückgriffe auf bereits bestehende Formen. Das sind keine Fehlgriffe, sondern deutet auf Verbindungen,…

Feuer und Flamme

In einer Zeit, in der flächendeckende, länger andauernde Stromausfälle wahrscheinlicher werden, erscheint es sinnvoll, sich auf bewährte Formen der Nahrungszubereitung zu besinnen. Man könnte eine elektrische Kochstelle zwar auch mit einem Dieselgenerator oder Sonnenkollektoren betreiben, man könnte einen Campingkocher oder Grill verwenden, doch entgeht einem dann die wichtigste Erkenntnis: Die Einsicht in die Brüchigkeit der menschlichen Zivilisation. Diese Erleuchtung bringt wohl nur die Feuerstelle. Foto: Lutz Meyer

Mehr als nur ein Memento-Mori-Moment

Im Freilichtmuseum Cloppenburg erinnert ein aufgestellter Sarg ebenso an das traditionelle Bestatterhandwerk wie an die Endlichkeit des Lebens. Doch mich sprang bei diesem Anblick etwas ganz anderes an: Das pure Leben. Die Urfom Die Grundform des Sarges taucht im menschlichen Leben in vielerlei Bezügen auf. Es ist der aus Holz gefertigte Kasten. Ein Kasten bedeutet Sicherheit, Schutz. Es fängt mit der Wiege an, dann das Bett, die Truhe, das Boot, der Karren und endlich auch der letzte Kasten. Die Urform…

Nach neuen Meeren

Heute nur eine kurze Ermunterung zum Eigenen mit den Worten eines Anderen: Nach neuen Meeren Dorthin – will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, ins Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glänzt mir neu und neuer, Mittag schläft auf Raum und Zeit –: Nur dein Auge – ungeheuer Blickt michs an, Unendlichkeit! Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, Lieder des Prinzen Vogelfrei (1887)   Foto: Lutz Meyer

Gewalt gegen Steine

Ich bin an der steinreichen Ostseeküste aufgewachsen, Steine begleiten mich seit meiner Kindheit durchs Leben, erfreuen mich, geben Anlass zum Nachdenken. Deshalb mag ich Steine. Jeder Stein erzählt eine Geschichte, nämlich die seines Werdens. Steine können auch Geschichte schreiben: Die Geschichte von Kulturen. Sobald Menschen beginnen, mit Steinen zu arbeiten, aus Steinen ihre Welt zu formen, wird der Stein zum Kulturträger. Doch nicht immer entsteht Kultur, wenn ein Mensch sich eines Steines bemächtigt. Manchmal formt sich auch etwas, was auf…

Fliegenpilz am Grafensteiner See

Nur Einbildung?

Dieses prächtige Exemplar eines Fliegenpilzes sahen wir gerade am Grafensteiner See. Seine Kappe war nicht Rotkäppchenrot, sondern hatte einen leichten Stich ins Bronzefarbene. Der Fliegenpilz verhilft bekanntlich Schamanen zu ihren rituellen Geistreisen in die Geisterwelt. Aus schamanischer Sicht sind diese Reisen höchst real. Aus westlicher Sicht handelt es sich um einen durch Rauschmittel veränderten Bewusstseinszustand – d.h. die Reise wird zwar als real erlebt, ist es aber objektiv nicht. Was der Reisende sieht, ist ähnlich der Einbildung, dem Traum, der…