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Bahn

Chaos-Reisen mit der Bahn

Wer eine Reise tut, der kann was erzählen. Allerdings dürfte das derzeit in Deutschlands Zügen eher wenig Gutes sein. Als Studentin bin ich ausschließlich mit der Bahn gefahren, danach weniger und während der Corona-Pandemie überhaupt nicht mehr. Nun bin ich beruflich bedingt innerhalb weniger Wochen zwei Mal mit der Deutschen Bahn unterwegs gewesen. Beide Fahrten waren im Fern- und Nahverkehr. Das, was ich erlebt habe, kenne ich von früher nur als Ausnahmezustand, wenn sich beispielsweise Eis und Schnee über einen…

Villa Husch

Villa Husch

Eingerahmt von Birken und Brennnesseln steht die Villa Husch. Sie liegt ein gutes Stück vom Weg ab, Fenster und Türrahmen schauen auf eine Pferdeweide. Direkt davor schloss sich früher anscheinend eine kleine Terrasse an. Scheiben, Tür und Dach fehlen. Nach vielen Jahren sind nur die nackten Mauerreste übrig geblieben, teils verziert mit Graffiti. Im Haus haben sich irgendwann junge Bäume angesiedelt, doch offenbar war der Platz zu begrenzt: Sie sind längst abgestorben und vom Wind und Regen kahl geschliffen. Ist…

Kalt, heiß, lang, kurz: Die Kunst des Räucherns

Die markanten Backsteinschornsteine gehören zu einer Fischräucherei in Kappeln, die mit den altbewährten Altonaer Räucheröfen räuchert. Hier räuchert man den Fisch noch in traditioneller Weise über einem offenen Holzfeuer. Räuchern ist nicht jedermanns Sache Leider werden diese traditionellen Räucheröfen kaum noch zugelassen – jedenfalls dort nicht, wo in nennenswerter Menge geräuchert wird und empfindliche Nachbarn oder strenge Umweltbeauftragte die Nase rümpfen. Doch mancherorts duldet man die alten Anlagen als schützenswertes Kulturgut (noch). Auch die Räucherkunst selbst ist schützenswert, denn die…

Von der Zertrümmerung der Logik

  Es gibt eine Reihe von Übereinkünften, die seit mindestens zweieinhalbtausend Jahren das abendländische und später das westlich-globale Denken geprägt haben. Vor allem die Entwicklung der modernen Naturwissenschaften und der neuzeitlichen Technik wäre ohne ihre Kenntnis und Beachtung kaum möglich gewesen. Denkgesetze Die Rede ist vom Satz der Identität, vom Satz vom verbotenen Widerspruch sowie vom Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Diese Denkgesetze gelten explizit für physikalisch objektivierbare Zustände: etwas ist oder ist nicht; was ist, kann nicht zugleich wahr und…

Feld

Versteckt im Kornfeld

Wie zwei Antennen ragten die Ohren aus dem Kornfeld. Sie drehten sich nach links, rechts, bis sie sich zurück nach vorne richteten. Dorthin, wo wir standen: zwei Menschen, zwei potenzielle Jäger. Wir gingen ein paar Schritte weiter. Der junge Rehbock entschied sich, den Sicherheitsabstand zu vergrößern und hüpfte tiefer ins Feld. Eine feine Welle lief durch die gelb-grauen Ähren, sonst blieb alles ruhig. Hätte ich ihn nicht vorher im Kornfeld verschwinden sehen, hätte ich nicht gewusst, dass er dort war.…

An einem warmen Sommertag

Ob die von der Bundesregierung mit eiskaltem Vorsatz herbeigeführte Energieversorgungs- und Energiekostenkrise uns im Herbst und Winter mit voller Wucht trifft oder man in Berlin doch noch kalte Füße bekommt, sei dahingestellt. Unabhängig davon ist es immer sinnvoll, sich über Alternativen Gedanken zu machen – nicht nur zu dieser Art von Politik, sondern auch über alternative Wärmequellen. Aus der Glut geboren, für die Hitze gemacht Im Inneren unseres Planeten ist es höllenhaft heiß – vieles von dem, was wir an…

Eine ansonsten nicht weiter bemerkenswerte Insel

Platt wie ein Pfannekuchen liegt Fehmarn in der Ostsee – die Gletscher der letzten Eiszeit haben hier, anders als etwas weiter südlich auf dem ostholsteinischen Festland, keine Lehm- und Schutthügel zusammengeschoben, sondern sind wie eine Panierraupe darübergefahren. Allerdings nicht, ohne einen Riesenhaufen Geröll abzulegen. Der Boden ist außerordentlich fruchtbar. Das mag dazu beigetragen haben, dass es auf der ganzen Insel so gut wie keinen Wald mehr gibt. Abwechslungsreiche Küsten Dafür gibt es zahllose Windräder. Und es ist nicht immer ganz…

Heidesee

War hier nicht mal ein See?

Wenn Steine reden könnten … (Teil 4) … dann würden sie schweigend die Stille genießen. Denn die Steine, die einst Kinder ins kaffeebraune Wasser des Heidesees geworfen haben, liegen nun zu Füßen des harten Grases und dienen allenfalls Rehen als Stolpersteine. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, seitdem ich die ersten Fotos vom verlandeten See an der B 188 und dem dazugehörenden Lokal gemacht habe. Die Entwicklung schritt rasend schnell voran: Wer den Heidesee nie gesehen hat, erkennt seine ursprüngliche Form…

Irritierend irisierend

Opale, Perlen, manche Muschelschalen und auch Fische zeigen schillernde Regenbogenfarben. Anders als beim Regenbogen aber sind die Farben hier nicht als Spektralfarben fein säuberlich nebeneinander angeordnet, sondern gehen ineinander über, oft ins Pastellige verlaufend. Bei Perlen und Muscheln (oben im Bild übrigens so eine Art fossile Riesenschwertmuschel, mit dem Edding spielerisch erweitert ins Fischige) entsteht das Irisierende immer dann, wenn Organisches sich verfestigt und lebende Materie in unbelebte übergeht: Die Muschel produziert die durch ihr Farbspiel höchst lebendig wirkende Perle.…

Die Kirche geht mit der Zeit

Dass man sich nicht mehr nur dem Heiligen Geist verbunden weiß, sondern aufs Innigste sich auch dem Zeitgeist andient, stellt die Kirche täglich unter Beweis. Hier im altehrwürdigen Dom zu Xanten ist neben dem historischen steinernen Weihwasserbecken (rechts) ein moderner Weihwasserspender unserer Tage (links) zu sehen. Auch Kulte wandeln sich. Doch der Drang, sich gegen das Böse zu wappnen, bleibt bestehen. An die Stelle der Dämonen früher Zeiten sind nun Krankheitserreger getreten. Desinfektion ersetzt das Gebet. Foto: Lutz Meyer