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Die Tugendtrompeten

Virtue signaling – zu deutsch in etwa das vorauseilende öffentliche Bekunden moralischer Standhaftigkeit – ist immer dann groß in Mode, wenn das gerade herrschende System in einer Krise steckt und öffentliche Bekenntnisse verlangt. Seine literarisch bekundete Urform ist der Gesslerhut, den in Schillers Wilhelm Tell ein jeder zu grüßen hatte. Tat er es nicht, war er als Feind des Landvogts markiert. Heinrich Mann setzte dem ewigen Moraltrompeter in seinem Roman „Der Untertan“ ein weiteres Denkmal. Ein kurzer Blick auf heutige…

Wurzelmundqualle

Die Qualle          

In Massen – vor allem, wenn man ihnen beim Schwimmen begegnet – sind Quallen eher widrig. Als Individuum bieten sie zuweilen einen Eindruck besonderer Pracht. Ihr leichter, schwebender Tanz im Wasser berührt mich immer wieder. Doch auch im Augenblick des Todes können sie von ergreifender Schönheit sein. Dieses Exemplar einer Wurzelmundqualle sah ich an der dänischen Nordseeküste – es ähnelt im Schein der untergehenden Sonne kostbarer Glaskunst, erschaffen von einem großen Meister und wie von einer anderen Welt. Dass dieser…

Unsere Demokratie: Im Kern totalitär?

Wenn Politiker und Medien heute von „unserer Demokratie“ reden, die es gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen gelte, meinen sie stets eine sehr spezielle Form der Demokratie – nämlich ihre eigene Vorstellung davon. Diese Vorstellung trägt seit einiger Zeit deutlich totalitäre Züge. Das wiederum wird von denen beklagt, die eine andere Vorstellung von Demokratie haben – z. B. weniger Parteienherrschaft, mehr Basisdemokratie. Nun hatte bekanntlich die Ur-Demokratie im antiken Athen auch schon die eine oder andere Einschränkung. So durfte…

Der Treffer

Der Treffer

Wer seine Gedanken sprachlich auf den Punkt bringt, verbessert die Aussicht, verstanden zu werden. Liegt es also nur an der richtigen oder falschen Kommunikation, ob eine Botschaft ankommt? Das ewige Lamentieren, privat und politisch Wie oft fällt in Beziehungsgesprächen wohl ein mitunter seufzend, meist eher genervt vorgebrachter Satz wie „Du hast mich nicht richtig verstanden“ oder „Das hatte ich anders gemeint“? Oder wie oft hört man Politiker der sogenannten Altparteien nach einer weiteren Wahlniederlage klagen: „Es ist uns nicht gelungen,…

Trojanisches Pferd

Was eine KI so über Steynerley meint

Eine Leserin war erst neugierig und dann so freundlich, mir zu übermitteln, was eine von ihr genutzte KI über diese Seite denkt. Alles in allem keine Überraschung, aber im Detail doch bemerkenswert bis erheiternd. Wieviel KI steckt in den Inhalten von Steynerley? Um die Antwort vorwegzunehmen: Null. Zum einen erkenne man die menschliche Herkunft der Inhalte zweifelsfrei als menschengemacht. Jawoll, hier schreibt, zeichnet und fotografiert nicht die KI. Inhaltlich gehe es auf dieser Seite immer wieder darum, die menschliche Kreativität…

Das Behagen der Katze in der Spätsommersonne

Kurzes Nachdenken über das Behagen und seine Grenzen

Ein Anblick tierischen Behagens, das sofort auf mich als Betrachter übergeht: Eine Katze in der Spätsommersonne, ein Ausdruck vollkommener Entspannung und tiefen Ich-sich-Ruhens. Nicht mehr lange, dann kommen der erste Bodenfrost, Nebeltage, regenreicher Westwind, Graupelschauer. Die Katze sucht sich dann andere Orte: Auf dem Sofa oder am Kaminfeuer. Das Behagen bleibt. Dem Menschen ist diese tiefe Gelassenheit nicht gegeben. Und kommt er diesem Zustand doch einmal nahe, wird er bald wieder aufgescheucht – Unbehagen statt Behagen, Unruhe statt Ruhe ist…

Homo homini lupus est

Homo homini lupus est

Dass der Mensch des Menschen Wolf sei, ist eine ebenso traurige wie realistische Erkenntnis. Das sogenannte Gute im Menschen ist an Schönwetter-Bedingungen geknüpft. Unter Schlechtwetter-Bedingungen trifft man dieses Gute nur sehr selten an. Aus dieser Erkenntnis heraus begründete Thomas Hobbes bekanntlich die Notwendigkeit eines starken Staates. Dieser soll die mörderischen Urinstinkte des Menschen einfrieden. Was aber, wenn der Staat sich selbst als Ungeheuer erweist? Nicht umsonst gab Hobbes dem Staat den Namen eines mytholgischen Ungeheuers, Leviathan. Dieser tritt gegen Behemoth…

Welt unter Wasser, Welt über Wasser

Welt unter Wasser, Welt über Wasser

Alles Leben stammt aus dem Wasser. Mit dem Übergang an Land hat das Leben neue Formen entwickelt, die den speziellen Bedingungen des Landlebens besser angepasst waren. Doch das bedeutet keine Trennung: Ausnahmslos jedes Landlebewesen benötigt zum Überleben Wasser, auch solche, die lange Perioden der Trockenheit überstehen können. Die Verbindung zum lebenspendenden Element Wasser ist allem, was lebt, tief eingeprägt. Beim Menschen macht sie sich bemerkbar durch eine Sehnsucht nach dem Wasser. Bei anderen Lebewesen wie den im Bild zu sehenden…

Es steckt in uns

Ein Leser meiner Beiträge hier meldet sich anlässlich des Textes Märchen, Mythen, Sagen zu Wort: Warum ich so sehr am Alten orientiert sei, das Menschsein ändere sich doch fortlaufend, das Zeitalter der KI berge viele Chancen für eine Weiterentwicklung. Meine Antwort: Es birgt vor allem das Risiko, dass es mit dem Menschen ein abruptes Ende nimmt. Jeder Mensch wird mit Vergangenheit geboren Der Mensch kommt nicht, wie Fortschrittsfreunde meinen, als leerer Eimer oder unformatierte Festplatte zur Welt, den man jederzeit…

Dunkel war's, der Mond schien helle

Dunkel war’s, der Mond schien helle

Wer kann ein Gedicht aufsagen? Heute nur noch wenige, denke ich. Aber bei denen, die das noch können, ist bestimmt auch dieses alte Scherzgedicht noch abrufbar. Verfasser ist unbekannt, es soll aus dem späten 19. Jahrhundert stammen und kennt auch noch einige Versvarianten. Ein Scherzgedicht? Dunkel war’s, der Mond schien helle, Schneebedeckt die grüne Flur, Als ein Wagen blitzeschnelle Langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen stehend Leute, Schweigend ins Gespräch vertieft, Als ein totgeschoss‘ner Hase Auf der Sandbank Schlittschuh…