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Die Köpfe der Hydra

Zu meinem kurzen Text über die Hydra vor einigen Tagen erreichten mich Hinweise mit der Aufforderung, das etwas weiter auszuführen. Gut, dann frisch ans Werk. Bereits in der Antike nahm man es mit der Zahl der Köpfe nicht so genau. Meist waren es neun Köpfe, in späteren Darstellungen mitunter nur sieben, man zählte aber auch bis zu 50. Der mittlere Kopf war der zentrale, der unsterbliche, die anderen regenerierten sich, wenn man sie abschlug, und verdoppelten sich dabei. Der Kampf…

Refugium Wildnis?

Ein Zaun markiert eine Grenze. Eine Grenze grenzt etwas ab. Dein Land von meinem. Oder einen Herrschaftsbereich von einem anderen. Oder einen Herrschaftsbereich von einem Bereich ohne Herrschaft. Die drei großen Dystopien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Samjatins „Wir“, Huxleys „Schöne neue Welt“ und Orwells „1984“ schildern Herrschaftssysteme, die auf unterschiedliche Art totalitär sind. Sie sind jedoch womöglich nicht universal totalitär, jenseits ihrer Herrschaft gibt es jeweils eine Wildnis. Doch wie wild ist diese Wildnis wirklich? Wildnis…

Laster unter Wasser

Kürzlich hatte ich unter dem Gesichtspunkt der Elite Baiae erwähnt, das antike Epstein-Island, Lust-, Orgien- und Vergnügungsstätte der alten Römer. Hier blühten illegales Glücksspiel, Betrug, Erpressung, Verschwörungen, sexuelle Ausschweifungen jeder Art. Nero sah man in Baiae ebenso wie Claudius, Hadrian, Caligula, Markus Antonius und Julius Caesar und mit ihnen zahlreiche Angehörige der damaligen römischen Elite. Caligula in Baiae Caligula gilt der Nachwelt bis heute als eines der größten Monster der Antike. Zahlreiche Schandtaten werden ihm nachgesagt – darunter politische Morde,…

Hydra heute

Die Hydra ist ein vielköpfiges, schlangen-, in manchen Darstellungen eher drachenartiges Ungeheuer aus dem griechischen Mythos. Schlug man ihr einen Kopf ab, wuchsen sofort zwei neue nach. Ihr Blut und sogar ihr Atem waren dermaßen giftig, dass der Kontakt sofort tödlich war. Dem Heros Herakles gelang es schließlich mithilfe einer List, das Monster zu töten: Sofort, nachdem er einen Kopf abgeschlagen hatte, brannte er die Wunde aus, sodass keine neuen Köpfe wachsen konnten. So erledigte er das Ungeheuer Hieb für…

Die Verkitschung des Marketings

Nach einem allzu redseligen Mineralwasser nun auch noch ein Tee aus dem Hause Sonnentor. Inhalt und Geschmack sind nicht zu beanstanden. Wohl aber das Bestreben des Herstellers, mir einen ordentlich Schuss Wohlfühlmoral in meinen Tee zu geben. Dankbarkeit, so säuselt es mir von der einen Tüte entgegen, öffne die Tür für mehr Fülle im Leben. Wohl wahr. Aber ist es die Aufgabe eines Teebeutels, mir reinen Wein einzuschenken über eine ebenso wahre wie banale Grundtatsache des Lebens? Die zweite Tüte…

Vor dem Backen kommt das Mahlen

Diesen prächtigen Mühlstein sah ich im Freilichtmuseum Cloppenburg. Mich beeindruckt nicht nur die Größe. Die Rillen auf der rauhen Mahlfläche fügen sich zum Bild einer Blüte, das Ganze erinnert an ein Sonnenrad. Auch im Ruhezustand strahlt der Mühlstein eine starke Dynamik aus – die mahlende Bewegung ist im Augenblick erfasst. Durch das sogenannte Auge in der Mitte (je nach Landschaft auch Schluckloch genannt) fließt das Korn hinein. Die Sonnensymbolik steht für das, was das Getreide hat wachsen lassen: das Licht…

Kurze Leidensgeschichte des Brotes

Bei Hölderlin heißt es: Brot ist der Erde Frucht, doch ists vom Lichte geseegnet. Da trifft der Dichter des Brotes Kern: Himmel und Erde in einem Lebensmittel vereint. Kaum einem anderen Lebensmittel haftet so sehr die Vorstellung von einem Grundnahrungsmittel an wie dem Brot. Schon das Vaterunser erbittet nicht etwa die tägliche Fleischration oder die täglichen Kartoffeln, sondern das sprichwörtliche täglich Brot. Über 3.000 Sorten gibt es allein in Deutschland, wobei der Löwenanteil aus Groß- und Industriebäckereien stammt. Das echte…

Was macht den erfolgreichen Künstler aus?

Ein Sonntag mit durchwachsenem Wetter: Kunst im Park in Lüdinghausen. Rund 70 Aussteller gaben Einblick in ihr Schaffen und hofften auf Käufer. Die handwerkliche Qualität der gezeigten Werke war überwiegend gut, teilweise sehr gut, die Preise moderat. Die meisten Aussteller werden ihre Standgebühren und die Kosten der Anreise wieder hereingeholt haben. Gespräche am Rande zeigten aber, dass Kunst nach wie vor ein schwieriges Geschäft ist. Viele Anbieter konkurrieren um die Aufmerksamkeit vor allem zahlungskräftiger Käufer. Die aber sind selten. Sehr…

Variscit

Bild einer Meereslandschaft

Eine Bucht, gebildet aus grauem Gestein. Die Küste ragt wie ein Kap ins Meer hinaus. Das Meer zeigt eine blaugrüne Färbung, wie sie manchmal bei bestimmten Lichtverhältnissen über hellen Untergründen entsteht. Man sieht es bei grauem Himmel in der Karibik aber auch vor kreidehaltigen Küsten der Ostsee. Die Phantasie erbaut eine ganze Welt rund um diese Landzunge und diese Bucht – eine Erzählung entwickelt sich, vielleicht eine erheiternd-komische, vielleiht auch eine tragische. Diese Geschichte kann sich zu einem Fortsetzungsroman auswachsen…

Heckrinder in den Rieselfeldern

Herden, Horden, Trupps, Schwärme – und Rudel im Modus der Achtsamkeit

Mal allein, mal zu zweit: Ich bin gern in Münsters Rieselfeldern unterwegs. Freie Sicht, weiter Himmel, die Luft ist durch die vielen Wasserflächen frischer als an anderen Orten im Münsterland. Stimulierende Umgebung Ich werfe im Gehen immer einen Blick auf die grasenden Heckrinderherden, erfreue mich an den Wildgänsetrupps und Schwärmen sonstiger Vögel. Nase, Augen, Ohren nehmen diese Welt auf. Der Duft nach Heu, wenn die Wiesen gemäht sind, Blütendüfte, Wassergerüche, leicht modrig manchmal, Fruchtiges im Spätsommer und Frühherbst von den…