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Das Kleine. Das Nahe. Das Wunder.

In seiner Vorrede zu der Sammlung „Bunte Steine“ aus dem Jahr 1853 schreibt der Schriftsteller Adalbert Stifter: „Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich für groß.“ Ich finde diesen Satz, diesen Gedanken großartig. Vor allem in einer Zeit, in der pöbelhafte Lautstärke, das schier endlose Gequassel über Nichtigkeiten, Aufgeregtheit bis zur Hysterie den Ton angeben. Da ist…

Weg In Den Nebel

Die Kraft des Herbstes

"Dramatische Lage“, „ein neuer Höchststand“ und „absolut besorgniserregend“. Ob Online-Medien, gedruckte Zeitung, Rund- oder Hörfunk: Die Medien scheinen derzeit zu wetteifern, wer das schrecklichste Szenario ausmalen kann. Die Natur kümmert das nicht. Draußen in Wald und Feld schimmern die Blätter rotgolden, morgendlicher Nebel wallt über die Wege und auf der Erde liegt gelbes Laub. Ein Herbst wie jeder andere. Und genau darin verbirgt sich eine geheime Kraft: Wenn die Schwarzmalerei droht, in die eigene Seele zu sickern, hilft ein Spaziergang…

Der Kreislauf des Lebens

Die Großsteingräber aus der Trichterbecherkultur (hier die großen Sloopsteene bei Wersen) sind jungsteinzeitliche Begräbnisstätten, Wohnsitze für die Ewigkeit. Kleinere Megalithgräber mit weniger Tragsteinen und Deckplatten, die nicht als Ganggrab angelegt sind, sondern nur aus einer Kammer bestehen, heißen auch Dolmen. In der Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen von Christian Rätsch fand ich im Kapitel über psychoaktive Pilze einen Hinweis auf die Dolmen im südindischen Kerala. Weil die Dolmen pilzförmig aussehen (was man auch an den nordischen Dolmen beobachten kann), heißen sie…

Über Stock und Stein

Die Idee stammte von einem Guru aus der Agenturbranche, dessen Namen ich längst vergessen habe. Meetings, so lautete seine These, wären wesentlich kürzer, wenn alle Teilnehmer dabei stehen würden. Außerdem würden beim Herumstehen die kreativen Ideen nur so sprudeln. Da solche Innovationen immer einen schicken Namen brauchen, trafen wir Angestellte einer hippen PR-Agentur uns nun jeden Montagmorgen zum „Steh-Meeting“. Der Name, ein Zwitter aus Deutsch und Englisch, war wegweisend, so im Nachhinein betrachtet. Denn die Besprechung im Stehen war tatsächlich…

Das Loch, in dem der Himmel verschwand

Das Mysteriöse liegt oft nur einen Steinwurf weit entfernt. Manchmal stolpert man darüber bzw. fällt, wenn man nicht aufpasst, sogar hinein. (Oder man fährt hinein. Aber dazu später mehr.) Dieses Loch am Strand von Römö muss tief sein, sehr tief. Vielleicht geht es einmal quer durch den Planeten? Denn man sieht ja den Himmel dort, wo er nicht sein sollte - unter uns, uns zu Füßen. In einem Loch. Ein ordinäres Spiegelbild kann es nicht sein, denn  der Himmel im…

Stein des Anstoßes: Landwirtschaft, Landschaft, Lebensmittel

Was macht die Landwirtschaft? Sie produziert Lebensmittel. So hätten man Mitte letzten Jahrhunderts noch mit Fug und Recht antworten dürfen: Was der Landwirt produzierte, kam nach einem meist kurzem Verarbeitungsprozess auf den Teller des Verbrauchers. Vom Acker zur nahen Mühle, von der Mühle in die Backstube – fertig war das Brot. Die Milch wurde von der örtlichen Meierei abgefüllt, im Umkreis vermarktet oder nach traditionellen regionalen Produktionsweisen zu Quark, Käse oder Butter verarbeitet. Die Wege waren auch hier meist kurz…

Meerschweinchen Im Gehege

Nachhaltige Meerschweinchenhaltung

Wir nennen unsere Meerschweinchen liebevoll Meersteinchen. Wenn man die Tiere hochhebt, sind sie nämlich erstaunlich schwer. Auch die Größe ist erstaunlich. Eigentlich sehen sie eher aus wie kleine Kaninchen – und nicht wie die possierlichen Nager aus Südamerika. Vielleicht füttern wir unsere Meeris einfach zu gut. Mein neuestes Experiment heißt nämlich: nachhaltige Meerschweinchenhaltung. Wobei es mir gar nicht darum geht, besonders innovativ zu sein. Vielmehr orientiere ich mich an meinen Großeltern, die neben Hühnern, Gänsen und Ziegen auch zwei Schweine…

Westermarkelsdorf (2): Abschweifungen

Eine Pyramide am Strand einer deutschen Ostseeinsel? Nein, es fehlt die quadratische Grundform. Also ein Tetraeder. Wirkt aber trotzdem wie ein Architektenmodell einer längst untergegangenen Hochkultur. Und sehe ich nicht zahlreiche Menschen dort zu Füßen dieses Bauwerks herumlaufen? Nach ausgiebigem Bad in der Ostsee beginnen unter Einwirkung der Sonnenhitze die Gedanken seltsame Bahnen zu ziehen. Als Kind fiel es mir leicht, mich – angeregt durch seltsame Formen wie diese – in ferne Welten zu versetzen. Manchmal gelingt das auch heute…

Westermarkelsdorf (1): Gedeihen im Kargen

Am Strand von Westermarkelsdorf an Fehmarns Westküste findet sich eine erstaunlich reiche Vegetation auf kargem Boden. Neben Meerkohl und Stranddistel und vielen anderen auch das Echte Leinkraut. Diese Pflanze liebt lockeren, sandigen und steinigen Boden und treibt ihre Wurzel bis zu einem Meter tief in den Grund. Ein unwirtlicher Ort für das Leben – dem Wind ebenso ausgesetzt wie den Übergriffen des Salzwassers. Doch das Karge erweist sich nicht selten als idealer Wurzelgrund und Standort auch für das Menschliche. Ich…

Hier wächst Marathon

In einer Kiesgrube blüht einem so manche Überraschung. Hier neben einer Nachtkerze ein stattlicher wilder Fenchel. Aus der Urform sind durch Züchtung der Gewürzfenchel und der Gemüsefenchel entstanden. Fenchel wurde schon in der Antike als Arzneipflanze und Küchengewürz gleichermaßen geschätzt. Sein Ursprung liegt in Kleinasien sowie im Mittelmeerraum. Als Arzneipflanze setzt man ihn auch heute noch gegen Hustenreiz und Verdauungsbeschwerden ein. Und weil so mancher Krankheit ein böser Geist innewohnt, diente der Fenchel auch dem magischen Abwehrzauber gegen dunkle Mächte.…