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Loblied der Mauer, zweite Strophe

Unlängst sang ich hier mein Loblied der Mauer als Eingrenzung des Eigenen und notwendige Voraussetzung für die Persönlichkeitsbildung, als Schutz und Hege des Menschlichen. Doch eine Mauer ist nicht nur Grenze, sie ist auch Lebensraum. Je älter sie ist, desto mehr wird sie von Pflanzen und Tieren als Rückzugsraum, als Brutstätte oder auch als Jagdrevier entdeckt. Doch selbst eine frisch aufgeschichtete Trockenmauer wird binnen weniger Wochen zum Biotop.

Kleines Loblied der Mauer

Mauern, Wälle, Zäune, Grenzen jeder Art haben heute eine schlechte Presse. Sie stehen im Wege, hindern Menschen, dorthin zu gehen, wohin sie gern gehen möchten. Sie sind unmenschlich und müssen weg. Als Mauern in unseren Köpfen hindern sie uns am Denken. So jedenfalls meint der Zeitgeist. Wie blind von ihm. Denn Mauern und Grenzen sind wichtig. Überlebenswichtig. Für den Einzelnen wie auch für die Gemeinschaft.

Elite auf der Couch

Carlo Strenger praktiziert als Psychoanalytiker. Viele seiner Klienten sind liberale Intellektuelle, zählen zur oberen Mittelschicht. Sie kümmern sich beileibe nicht nur um ihr eigenes Fortkommen, sondern haben den Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Stolperstein: Natur-, Umwelt- oder Klimaschutz?

Der Gedanke, dass die Natur vor dem Treiben des Menschen zu schützen sei, geht im Wesentlichen auf Ideen des 19. Jahrhunderts zurück. Prägend für die Entstehung des Naturschutzgedankens in Deutschland war um das Jahr 1800 Alexander von Humboldt, der auch als Schöpfer des Begriffs Naturdenkmal gilt. Dort aber, wo Denkmäler errichtet werden, gilt es, an Vergangenes und Verschwundenes zu erinnern. Wehe also dem, dem Denkmäler errichtet werden!   Naturschutz ist Widerstand gegen Industrialisierung und Verzifferung Parallel zu den Gedanken von…

Gehäkeltes Einkaufsnetz

Überhaupt nicht steinalt: Einkaufsnetz im DIY-Look

Ob auf dem Markt, in der Drogerie oder am Strand: So ein Einkaufsnetz kommt herum. Man kann gesammelte Steine transportieren, gekaufte Äpfel drin verstauen oder leere Flaschen damit zum Altglascontainer bringen. Nach Gebrauch lässt es sich zusammengerollt wegpacken und falls es schmutzig geworden ist, wird es in der Waschmaschine wieder sauber. So ein Einkaufsnetz ist schon sehr praktisch. Trotzdem sah man es noch bis vor kurzem nicht auf der Straße. Höchstens in der Hand einer älteren Dame. Denn genau das…

Change: Kein Stein soll auf dem anderen bleiben

Dass die Welt sich wandelt, ist als philosophische Erkenntnis trivial. Dass permanenter und forcierter Wandel Menschen überfordert, ebenso. Dass aber der Turbowandel, mit dem Unternehmen, Staat und Gesellschaft es seit einigen Jahren zunehmend zu tun haben, anderen Zielen dienen können als den gemeinhin behaupteten, ist wohl die eine oder andere Überlegung wert. Denken wir ein wenig über Change nach.   Change als Schlagwort für Veränderungsprozesse in der Wirtschaft ist seit den 90ern präsent. Der auf ökonomische Belange bezogene Begriff ist…

Der Sammler

Unendlich die Zahl der Ratgeber, die einem nahelegen, dass wir viel zu viel irdische Habe mit uns herumschleppen. Befreit man sich von seiner Habe oder reduziert sie wenigstens, werde - so das Versprechen - das Leben schöner, einfacher und leichter (in Kilogramm ausgedrückt auf jeden Fall). Ein Durchschnittsmensch besitzt angeblich um die 10.000 Dinge - Korkenzieher, Unterhosen, die eingangs erwähnte Ratgeberliteratur sowie das Smartphone eingerechnet. Wesentlich mehr dürfte ein durchschnittlicher Sammler besitzen - egal von was. Denn wer sammelt, sammelt…

Edelstein II

Das Auffällige ist der Blick: Warum schaut die Frau so ernst, beinahe verbittert? Auch hier ist das Interessante an der Zeichnung die Geschichte, die im Kopf des Betrachters entsteht. Der durch den edlen Pelz und den grünen Smaragd am Ohr angedeutete Reichtum, die kunstvolle Hochsteckfrisur – all diese kleinen Details im Bild regen die Phantasie an. Sie sind wie die Ecksteine der Geschichte. Nehmen Sie sich die Zeit und blicken Sie einen Moment auf das Bild. Was erzählt es Ihnen?…

Ordnung muss sein!

Superästhetisch, praktisch nadelfrei auch über Neujahr hinaus, sehr handlich, wiederverwertbar und aus garantiert ökologischer Produktion: unser diesjähriger Weihnachtsbaum! Nein? Gut, dann eben nicht: Das ist ein Bergkristall, von unten mit einem handelsüblichen Laserpointer durchleuchtet. Kristalle wie dieser erstaunen durch ihren regelmäßigen, geometrischen Wuchs. Wieso wachsen Steine? Und warum so gleichmäßig? Lebt tote Materie doch?   Die Natur als Chefdesigner Mineralien wie der Bergkristall bestehen aus chemischen Elementen. Die regelmäßige Anordnung seiner Atome und Moleküle in einer Kristallstruktur macht es möglich,…

Weihnachten In Der Schule

Der Stein des Anstoßes oder dumm im Advent

Oh, du friedliche Weihnachtszeit. Glück und Seligkeit hängt in der Luft – und alle sind nett und lieb zueinander. Oder so ähnlich. Jedenfalls schwingen landauf, landab diese besinnlichen Gedanken durch die Schulen. Manche Lehrkräfte setzten gemütliche Backen- und Bastel-Vormittage an, andere lesen eine Weihnachtsgeschichte mit den Kindern oder wichteln mit ihnen. So auch in der Klasse meines Sohnes. Allerdings war der an dem Tag, als die Modalitäten des Wichtelns erklärt wurden, nicht in der Schule. Was liegt näher, als sich…