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Das Kleine. Das Nahe. Das Wunder.

In seiner Vorrede zu der Sammlung „Bunte Steine“ aus dem Jahr 1853 schreibt der Schriftsteller Adalbert Stifter: „Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich für groß.“ Ich finde diesen Satz, diesen Gedanken großartig. Vor allem in einer Zeit, in der pöbelhafte Lautstärke, das schier endlose Gequassel über Nichtigkeiten, Aufgeregtheit bis zur Hysterie den Ton angeben. Da ist…

Der Tag, an dem Sysiphos nicht mehr zur Arbeit erschien

Sysiphosarbeit endet nie. Tagein, tagaus muss der schwere Stein bergauf bewegt werden. Sysiphos erreicht den Gipfel nie, der Stein rollt kurz vor dem Ziel immer wieder talwärts. Bei den alten Griechen war Sysiphos der von den Göttern bis in alle Ewigkeit gestrafte Frevler. In der Moderne bei Albert Camus ist sein Tun der Inbegriff des Absurden und Sinnlosen, Sinnbild der menschlichen Existenz schlechthin. Weder in der einen noch in der anderen Konzeption kann Sysiphos entkommen. Bei den alten Griechen nicht,…

Zerstörungen

Am Morgen des 10. März 1945 sprengten deutsche Pioniere die Eisenbahnbrücke von Wesel (im Bild einer der noch heute zu besichtigenden Überreste) – ein letzter verzweifelter, gleichwohl sinnloser Versuch, die amerikanischen, kanadischen und englischen Truppen aufzuhalten. Solche Zerstörungen der Infrastruktur auf eigenem Staatsgebiet aus militärischen Gründen hat es schon immer gegeben: Dem Feind soll das Vorrücken erschwert werden. Unsere derzeitige Regierung benötigt für ihr flächendeckendes Zerstörungswerk auf eigenem Terrain – zerstörerisch vor allem mit Blick auf Freiheitsrechte, Wirtschaft, Finanzen und…

Steinerne Mauern und andere

Im Stadtmuseum Münster befinden sich einige detaillreich ausgeführte Modelle, die dem Besucher die Entwicklungsstufen der Stadt Münster seit ihren allersten Anfängen im 9. Jahrhundert bis hin zur Nachkriegszeit sehr anschaulich vor Augen führen. Eines meiner Lieblingsmodelle ist das von 1533 – also kurz bevor die Wiedertäufer über die Stadt hereinbrachen. Mauern geben Sicherheit gegenüber dem Außen Es zeigt eine Stadt, die von Wassergräben und doppelten Steinmauern mit Bastionen, Türmen und Toren umgeben ist. Eine solche Stadt ist Sinnbild des Abgeschlossenen…

Sprengkraft

Dieser Tage wurden auf ARD alpha mal wieder einige Beiträge aus Dieter Wielands überaus sehenswerter Topographie gezeigt. Es ging dabei um Gärten - auf der einen Seite die naturnahen Gärten, in denen wachsen darf, was wachsen will, auf der anderen die traditionsreichen Bauern- und Küchengärten, bei denen zwar die ordnende Hand sichtbar waltet, aber dennoch ein ungeheurer Pflanzenreichtum alle Sinne erfreut und neben dem, was in der Küche verarbeitet wird, auch Heilkräuter und dem Auge wohlgefällige Stauden ihre Daseinsberechtigung haben.…

Ein neues Magazin

Anbruch - Magazin für Kultur & Künftiges warf einen Stein in den Teich und präsentiert in Zeiten des Zeitungssterbens voller Optimismus die Nullnummer. Nachdem Anbruch sich in den vergangenen Jahren bereits als Online-Magazin einen Namen gemacht hat nicht zuletzt durch Interviews mit Schriftstellern und Künstlern wie Rüdiger Safranski, Uwe Tellkamp, Alexander Grau, Axel Krause und Nitzan Mintz, hat man nun auch den Schritt in die analoge Welt getan. Zum Konzept der Printausgabe gehört es, Schwerpunktthemen zu setzen - im ersten…

Mach was daraus oder lass es lieber

Ruinen zeugen vom Niedergang. Der Niedergang verweist auf etwas, was mal größer, auf jeden Fall aber präsenter war als es heute ist. Burgruinen etwa erzählen etwas von alten Rittergeschlechtern. Kirchenruinen von Zeiten, die dem gottesfürchtigen Leben näherstanden als unsere Tage. Bau- oder Investitionsruinen vom kreisenden Pleitegeier. Steht man vor einer Ruine, stellt sich nicht nur die Frage nach der Vergangenheit, sondern immer auch die nach der Zukunft. Soll man das alte steinerne Gemäuer womöglich komplett abreißen, um Platz zu schaffen…

Sturm zieht auf: Tugend, Tat und Terror mit Ökosiegel

Es war einer jener sonderbaren Augenblicke der an Absonderlichkeiten nicht eben armen Menschheitsgeschichte, als der Mensch plötzlich sein Herz für die Natur entdeckte und sich zu ihrem Anwalt und Interessenvertreter aufschwang. Er tat dies, nachdem er selbst Jahrhunderttausende ein Opfer der Natur gewesen war – ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, immer in Gefahr, einem wilden Tier, Pestilenzen aller Art, einem reißenden Strom oder schlicht den Launen des Wetters zum Opfer zu fallen. Doch dann hatte sich die Sache gedreht.…

Ins Gras beißen

Die schlichter gestrickten unter den Vegetarieren und Veganern glauben tatsächlich, den Stein der Weisen gefunden zu haben: Einfach Weidefläche in Anbaufläche umwandeln und schon klappt das mit der Welternährung – ganz ohne Tiere, ganz ohne durch rülpsende und furzende Viecher freigesetztes Methan, ganz ohne  Klimawandel und mit ganz viel gesunden Feldfrüchten für alle.

Steingesicht

An einem Tag, als mir wenig nach Lachen zu mute war, begegnete mir ein Schmunzelstein. Er war weiß, klein, trug eine Mütze und ein etwas schiefes Gesicht mit roten Bäckchen. Der bemalte Kieselstein steckte zusammen mit einer Geschichte in einem kleinen Nylonsäckchen. Es war die „Legende der Schmunzelsteine“. Grob zusammengefasst geht es darum, dass ein Volk kleiner, fröhlicher Leute den Brauch pflegte, mit lachenden Gesichtern bemalte Steine zu verschenken. Jeder sammelte, bemalte die Fundstücke und verschenkte sie mit Freuden weiter.…