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DDR Grenze

Wider das Vergessen

Wer aus Stein baut, baut für die Ewigkeit. Ewig sollten auch die Grenzanlagen der DDR halten. Dreißig Jahre nach dem Mauerfall findet man von ihnen allerdings kaum noch Spuren. Was nicht von Passanten weggetragen wurde, haben Bäume, Sträucher und Gras überwuchert. Wer sich auf Spurensuche begibt, findet nur vereinzelt Erinnerungen, wie den Grenzlehrpfad in Böckwitz (Sachsen-Anhalt). Als wir durch das ehemals geteilte Dorf gefahren sind, fragte mein Grundschüler, warum man überhaupt Reste der alten DDR-Grenze restauriert hätte. „Es ist doch…

Der Kreislauf des Lebens

Die Großsteingräber aus der Trichterbecherkultur (hier die großen Sloopsteene bei Wersen) sind jungsteinzeitliche Begräbnisstätten, Wohnsitze für die Ewigkeit. Kleinere Megalithgräber mit weniger Tragsteinen und Deckplatten, die nicht als Ganggrab angelegt sind, sondern nur aus einer Kammer bestehen, heißen auch Dolmen. In der Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen von Christian Rätsch fand ich im Kapitel über psychoaktive Pilze einen Hinweis auf die Dolmen im südindischen Kerala. Weil die Dolmen pilzförmig aussehen (was man auch an den nordischen Dolmen beobachten kann), heißen sie…

Starrende Steine

Vor einiger Zeit hatte ich hier schon einmal den rechten der beiden Steine vorgestellt, der wie ein versteinerter Ku-Klux-Klan-Anhänger aussieht. Das ist aber kein versteinertes Lebewesen, sondern ein Naturspiel. Ebenso der links abgebildete Stein, der an einen versteinerten Fischkopf erinnert. Ich hatte seinerzeit mein eigenes Unbehagen als Kind beschrieben, doch dabei die menschheitsgeschichtliche Dimension übersehen. In seinem neuen Buch "Diesseits von Eden - Über den Ursprung der Religion" (Berlin 2020) erinnert der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Hans Peter Duerr an den…

Der Tag, an dem Sysiphos nicht mehr zur Arbeit erschien

Sysiphosarbeit endet nie. Tagein, tagaus muss der schwere Stein bergauf bewegt werden. Sysiphos erreicht den Gipfel nie, der Stein rollt kurz vor dem Ziel immer wieder talwärts. Bei den alten Griechen war Sysiphos der von den Göttern bis in alle Ewigkeit gestrafte Frevler. In der Moderne bei Albert Camus ist sein Tun der Inbegriff des Absurden und Sinnlosen, Sinnbild der menschlichen Existenz schlechthin. Weder in der einen noch in der anderen Konzeption kann Sysiphos entkommen. Bei den alten Griechen nicht,…

Zerstörungen

Am Morgen des 10. März 1945 sprengten deutsche Pioniere die Eisenbahnbrücke von Wesel (im Bild einer der noch heute zu besichtigenden Überreste) – ein letzter verzweifelter, gleichwohl sinnloser Versuch, die amerikanischen, kanadischen und englischen Truppen aufzuhalten. Solche Zerstörungen der Infrastruktur auf eigenem Staatsgebiet aus militärischen Gründen hat es schon immer gegeben: Dem Feind soll das Vorrücken erschwert werden. Unsere derzeitige Regierung benötigt für ihr flächendeckendes Zerstörungswerk auf eigenem Terrain – zerstörerisch vor allem mit Blick auf Freiheitsrechte, Wirtschaft, Finanzen und…

Westermarkelsdorf (2): Abschweifungen

Eine Pyramide am Strand einer deutschen Ostseeinsel? Nein, es fehlt die quadratische Grundform. Also ein Tetraeder. Wirkt aber trotzdem wie ein Architektenmodell einer längst untergegangenen Hochkultur. Und sehe ich nicht zahlreiche Menschen dort zu Füßen dieses Bauwerks herumlaufen? Nach ausgiebigem Bad in der Ostsee beginnen unter Einwirkung der Sonnenhitze die Gedanken seltsame Bahnen zu ziehen. Als Kind fiel es mir leicht, mich – angeregt durch seltsame Formen wie diese – in ferne Welten zu versetzen. Manchmal gelingt das auch heute…

Hier wächst Marathon

In einer Kiesgrube blüht einem so manche Überraschung. Hier neben einer Nachtkerze ein stattlicher wilder Fenchel. Aus der Urform sind durch Züchtung der Gewürzfenchel und der Gemüsefenchel entstanden. Fenchel wurde schon in der Antike als Arzneipflanze und Küchengewürz gleichermaßen geschätzt. Sein Ursprung liegt in Kleinasien sowie im Mittelmeerraum. Als Arzneipflanze setzt man ihn auch heute noch gegen Hustenreiz und Verdauungsbeschwerden ein. Und weil so mancher Krankheit ein böser Geist innewohnt, diente der Fenchel auch dem magischen Abwehrzauber gegen dunkle Mächte.…

Wer oder was lebt hier?

Manche Bilder sagen einem gar nichts. Andere hingegen sind außerordentlich vielsagend. Selbst und vielleicht gerade dann, wenn auf ihnen nur ganz wenig zu sehen ist – und sie mehr verbergen als zeigen. So wie dieses Bild, auf einem Nachtgang aufgenommen in Neustadt/Holstein. Ich weiß nicht, was es mit diesem Gebäude, das womöglich niemals bessere Tage gesehen hat, auf sich haben mag. Aber es regt meine Phantasie an. Also: Was mag hinter diesen Mauern aus Backstein stattfinden? Wohnt dort ein namenloses…

Steinerne Mauern und andere

Im Stadtmuseum Münster befinden sich einige detaillreich ausgeführte Modelle, die dem Besucher die Entwicklungsstufen der Stadt Münster seit ihren allersten Anfängen im 9. Jahrhundert bis hin zur Nachkriegszeit sehr anschaulich vor Augen führen. Eines meiner Lieblingsmodelle ist das von 1533 – also kurz bevor die Wiedertäufer über die Stadt hereinbrachen. Mauern geben Sicherheit gegenüber dem Außen Es zeigt eine Stadt, die von Wassergräben und doppelten Steinmauern mit Bastionen, Türmen und Toren umgeben ist. Eine solche Stadt ist Sinnbild des Abgeschlossenen…

Wer erbaute Stonehenge?

Die im Titel formulierte Frage lässt sich mit einem Wort beantworten: Ich. Jawohl: Ich habe Stonehenge erbaut - und das sogar an nur einem einzigen Nachmittag. Zwar nur im Maßstab 1:135, doch immerhin recht detailgetreu: ein jeder Stein steht - lediglich ein wenig verkleinert - dort, wo er stehen muss. Das Modell zeigt Stonehenge nicht in seinem heutigen ruinösen Zustand, sondern so, wie das Original vor vielleicht rund 4.000 bis 4.500 Jahren ausschaute: Alle Steine sind noch vollzählig da. Ein…