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Aufstellen statt vorstellen

Wer kennt das nicht? Probleme im Privatleben oder auf beruflicher Ebene führen dazu, dass man sie stunden- oder tagelang hin und her wälzt und doch zu keiner vernünftigen Erkenntnis kommt, wie sich das Problem lösen lässt. Könnte das daran liegen, dass uns dabei die räumliche Dimension fehlt? Keineswegs so platt wie ein Brett Manch einer schaut verachtungsvoll auf Erwachsene, die sich beim Spiel vergnügen, scheint ihnen doch der Lebensernst abzugehen. Zu Recht? Das Folgende soll der vorsokratische Denker Heraklit den…

Insekten. Na und?

Man muss sich schon wundern. Da regen sich Leute darüber auf, dass die EU Insekten als Nahrungsbestandteil zulässt. Leute, denen es ansonsten überwiegend gleichgültig sein dürfte, welche Substanzen sie sich mit ihrer täglichen Nahrung zuführen: all die Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Emulgatoren, künstliche Aromen, Enzyme, Konservierungsmittel und teilweise nicht einmal deklarationspflichtigen Hilfsstoffe aus dem Chemiebaukasten werden klaglos geschluckt. Mikroplastik im Fleur de Sel und Pestzidrückstände im Brötchen - man hat sich daran gewöhnt. Fleisch aus Massentierhaltung wird oft ohne jeden Gedanken…

Warum klein?

Anlässlich meines Beitrags über die tatsächliche oder eingebildete Unkeuschheit der offenen Hose wurde ich mehrfach auf das Titelbild angesprochen: Das symbolische Möhrchen sei doch arg mickerig. Abgesehen davon, dass ich gerade keine größere Möhre zur Hand hatte, konnte ich auf das Vorbild antiker Statuen verweisen. Hier ist das männliche Genital fast immer im Kleinformat dargestellt. Warum war das so? Der symbolische Penis Die Darstellung des nackten Körpers in der Antike suchte die Balance aus Naturtreue (anatomisch korrekt) und Idealisierung (wünschenswert…

Der Faustkeil als Werkzeug des Geistes

Beim Stöbern in der Bibliothek stieß ich auf Heinrich Rombachs Monumentalwerk "Das Leben des Geistes", eine auch heute noch sehr lesenswerte "Fundamentalgeschichte der Menschheit". Im Kapitel über den Faukeil schreibt Rombach: "Ein Faustkeil formt sich nicht unter stumpfem Drauflosschlagen. Man muß vielmehr mit dem inneren Entgegenkommen des Steins selbst arbeiten. (...) Sodann bedarf es des Versuchs und langer Erfahrung, bis man 'heraushat', wie der Stein springt. Denn nur der springende Stein liefert scharfe Kanten. Es wird dieses und jenes Stück…

Die offene Hose

"Offengestanden gefällt mir Ihre Hose nicht" – mit diesen Worten wurde ich auf einen kleinen Fauxpas aufmerksam gemacht. Ich dachte: "Na und?" Bis mir dann im Nachgang der Sekundenbruchteil auffiel, der zwischen den Wörtern "offen" und "gestanden" angeklungen war. Ich beeilte mich, den bemängelten Zustand diskret zu beseitigen. Und begann zu grübeln. Was ist daran peinlich? Bleibt der Reißverschluss einer Hose unverschlossen, kann man davon ausgehen, dass der Betreffende (fast nie handelt es sich um eine Frau) gerade von der…

Meilenstein

Alles neu macht in diesem Fall nicht erst der Mai, sondern bereits der Januar: Der neue Internetauftritt von wort-und-bogen.de ist online! Schaut euch an, was Sprache bewegen kann. Dank an Torsten Meyer-Bautor für zügige Gestaltung und Umsetzung, Nicole Hein für gewohnt konstruktuive Kritik, Hagen Alkis für das bezaubernde Foto von mir und Matthias Koenig für das Logo in gleich mehreren Farbvarianten!

Sprache und künstliche Intelligenz

Wenn im Folgenden von künstlicher Intelligenz die Rede ist, meine ich nicht all die Programme, die unsere technischen Geräte optimieren, Ampelanlagen und Fertigungsstraßen steuern und menschliches Verhalten überwachen. Gemeint ist die Form künstlicher Intelligenz, die auch in den musischen Bereich vordringt. Heutige Schachcomputer bringen selbst manchen Großmeister ins Schwitzen. Das programmierte Erfahrungswissen aus Tausenden von Weltklassepartien plus die reine Rechenleistung der künstlichen Intelligenz sind stärker das menschliche Gehirn: Die künstliche Intelligenz kann mehr Züge unter Einbeziehung aller möglichen Alternativen vorausberechnen…

Treibgut

Neben wahren Schätzen des Meeres wie Bernstein, versteinerten Seeigeln, anmutigen Schneckenhäusern und Muschelschalen tragen uns die Wellen auch allerlei Unrat zu. Doch der hat ebenfalls eine Geschichte zu erzählen. Müll, der Geschichten erzählt Fragmente eines Netzes, Sonnenmilchflaschen, Konservendosen, Tauenden, Schuhe, Taschen, Koffer, zerfetzte Hemden, Badeanzüge, Sonnenbrillen, Spielzeug – im Unterschied zu Muscheln und Bernstein haben solche Fundstücke immer einen engen Bezug zum Leben eines Menschen: Ging neben dem Fischernetz auch der Fischer selbst bei einem Sturm über Bord? Musste eine…

Sprechende Steine

Je mehr wir über sie wissen, desto mehr erzählen uns die scheinbar stummen Steine. Versteinerungen wie einen Ammoniten können wir nicht nur einem Erdzeitalter, sondern auch einer konkreten Spezies zuordnen. Wir kennen den Lebensraum dieser längst ausgestorbenen Tiere und wissen ziemlich genau, welche anderen Arten damals das Meer bevölkerten. Wir wissen all dies jedoch noch nicht besonders lange. Das Licht der (Selbst-)Erkenntnis Noch vor wenigen Jahrhunderten galt es in der christlichen Welt als ausgemacht, dass das Erdalter nur wenige Tausend…

Flüchtige Monumente

Überall, wo Steine in großer Zahl herumliegen, sind sie unvermeidlich: Steinmännchen, im Fachjargon Balancing stones genannt. Also vor allem an Stränden, aber auch in manchen Bergregionen. Wer baut diese Dinger eigentlich und warum? Bis ich anfing, genauer darauf zu achten, nahm ich stillschweigend an, es wäre Kinderwerk. Doch weit gefehlt. Menschen schichten Steine übereinander. Warum? Meist sind es Leute, Frauen meist, im mittleren Lebensalter. Was treibt diese Menschen dazu, Steine aufzuschichten? Ein Wettbewerb, wer den höchsten baut? Ein schnelles Fotomotiv…