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verschwundene Schublade

Das Loch in der Wohnung

In meiner Wohnung muss ein Loch existieren. Gesehen habe ich es noch nicht, aber es muss da sein. Ich stelle es mir dunkel wie die tiefste Nacht vor und mit einem Durchmesser von mindestens 50 Zentimetern. Früher kann es  kleiner gewesen sein, aber im Laufe der Jahre scheint es deutlich größer geworden zu sein. Bemerkt habe ich das Loch das erste Mal, als ich in Münster gewohnt habe. Mein Sohn war damals klein, nicht mal im Kindergartenalter. Er liebte Autos…

KI mal anders: Kreative Intelligenz statt künstlicher Intelligenz

Den Verlockungen der KI zu widerstehen und geistig autonom zu bleiben, lohnt sich. Indem wir unsere kreative Intelligenz ständig fordern, trainieren wir unser Gehirn, machen es leistungsfähiger. Und wir behalten das letzte Wort und damit die Freiheit der Entscheidung gegenüber einer technischen Intelligenz, die sich anschickt, nach und nach alle Lebensbereiche zu erobern und zu einer Mega-Gouvernante zu werden. Doch was genau ist kreative Intelligenz? Im Begriffssumpf der Kreativität Im alltäglichen Sprachgebrauch ist alles kreativ, was irgendwie bunt und lustig…

Die Schönheit von Steinen

Was ChatGPT schön findet

Was hätte ich vor einem Jahr gemacht, wenn ein neuer Blogbeitrag überfällig gewesen wäre – aber zu wenig Zeit vorhanden, um einen Text zu schreiben? Mich am kommenden Wochenende an den Schreibtisch gesetzt. Und wie habe ich das Dilemma im März 2023 gelöst? Ich habe ein Experiment gemacht. Momentan nutzt alle Welt ChatGPT. Wer keine Zeit hat – zack, die künstliche Intelligenz hat immer Ressourcen. Außer sie ist gerade mal wieder überlastet und deshalb nicht erreichbar. Zudem arbeitet sie wesentlich…

Fluch der Bequemlichkeit

Natürlich beschäftigen wir als Mitglieder der schreibenden Zunft uns intensiv mit der schreibenden KI: Ist sie unsere Konkurrenz? Wird sie uns am Ende gar arbeitslos machen? Oder können wir uns ihrer gar – aus hier nicht näher zu erläuternden Gründen – bedienen? Die eigentliche Frage ist jedoch eine ganz andere. Dahl, Swift und die KI Ich hatte hier kürzlich auf Roald Dahl verwiesen, der in seinen Kurzgeschichte Der große Grammatisator eine Maschine erwähnt, die Romane schreiben kann – schneller und…

Gedichte machen kreativ

Nicht nur der Dichter selbst ist schöpferisch tätig. Auch das Lesen eines Gedichts kann unsere Kreativität aus dem Tiefschlaf reißen. Das geschieht auf geradezu unheimliche Weise. Die meisten der von mir geschätzten Dichter sind zwar längst tot. Dennoch sprechen sie zu mir, ziehen mich in ein Zwiegespräch hinein, mehr noch: in eine Stimmung, in jenen flüchtigen Moment, in dem die Dichtung stattfand. Manchmal passiert auch schlicht nichts. Dann aber kann so ein Dichterwort in mir wieder wahre Gerölllawinen lostreten und…

Kreativ auf dem Wirtschaftsweg

Für gewöhnlich nehmen die Erfordernisse des Alltags uns so sehr gefangen, dass wir allenfalls im Traum andere Welten betreten. Oder im Rausch. Aber geht das auch im nüchternen Alltag? Es war zwar noch Februar, dennoch geriet ich in richtiges Aprilwetter: Sonne, Regen, Sturmböen, Graupel im jähen Wechsel. Auf dem Asphaltweg hatte sich eine Pfütze gebildet. Ich blieb stehen, betrachtete das Spiegelbild. Ein Baum am Wegrand stand kopfüber. Es war der Baum und doch war er es nicht. Ein flüchtiges Abbild,…

Aufstellung statt Vorstellung

Wer kennt das nicht? Probleme im Privatleben oder auf beruflicher Ebene führen dazu, dass man sie stunden- oder tagelang hin und her wälzt und doch zu keiner vernünftigen Erkenntnis kommt, wie sich das Problem lösen lässt. Könnte das daran liegen, dass uns dabei die räumliche Dimension fehlt? Statt Probleme nur in unserer Vorstellung zu bewegen, könnten wie sie uns auch in einer Aufstellung veranschaulichen. Keineswegs so platt wie ein Brett Manch einer schaut verachtungsvoll auf Erwachsene, die sich beim Spiel…

Insekten. Na und?

Man muss sich schon wundern. Da regen sich Leute darüber auf, dass die EU Insekten als Nahrungsbestandteil zulässt. Leute, denen es ansonsten überwiegend gleichgültig sein dürfte, welche Substanzen sie sich mit ihrer täglichen Nahrung zuführen: all die Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Emulgatoren, künstliche Aromen, Enzyme, Konservierungsmittel und teilweise nicht einmal deklarationspflichtigen Hilfsstoffe aus dem Chemiebaukasten werden klaglos geschluckt. Mikroplastik im Fleur de Sel und Pestzidrückstände im Brötchen - man hat sich daran gewöhnt. Fleisch aus Massentierhaltung wird oft ohne jeden Gedanken…

Warum klein?

Anlässlich meines Beitrags über die tatsächliche oder eingebildete Unkeuschheit der offenen Hose wurde ich mehrfach auf das Titelbild angesprochen: Das symbolische Möhrchen sei doch arg mickerig. Abgesehen davon, dass ich gerade keine größere Möhre zur Hand hatte, konnte ich auf das Vorbild antiker Statuen verweisen. Hier ist das männliche Genital fast immer im Kleinformat dargestellt. Warum war das so? Der symbolische Penis Die Darstellung des nackten Körpers in der Antike suchte die Balance aus Naturtreue (anatomisch korrekt) und Idealisierung (wünschenswert…

Der Faustkeil als Werkzeug des Geistes

Beim Stöbern in der Bibliothek stieß ich auf Heinrich Rombachs Monumentalwerk "Das Leben des Geistes", eine auch heute noch sehr lesenswerte "Fundamentalgeschichte der Menschheit". Im Kapitel über den Faukeil schreibt Rombach: "Ein Faustkeil formt sich nicht unter stumpfem Drauflosschlagen. Man muß vielmehr mit dem inneren Entgegenkommen des Steins selbst arbeiten. (...) Sodann bedarf es des Versuchs und langer Erfahrung, bis man 'heraushat', wie der Stein springt. Denn nur der springende Stein liefert scharfe Kanten. Es wird dieses und jenes Stück…