Skip to content

Formenspiele der Natur

Eine Strelitzie im Botanischen Garten Münster. Man kennt die Strelitzia reginae auch unter Namen wie Paradiesvogel-, Papageien- oder Kranichblume. Diese namensgebenden Ähnlichkeiten könnte man leicht abtun als zufällig oder als Akt menschlicher Willkür in der Benennung, denn offensichtlich haben Pflanze und Vogel wissenschaftlich betrachtet nichts miteinander zu tun. Die Formensprache verweist allerdings auf etwas anderes: Die Gestaltungskraft der Natur mag unendlich sein, dennoch erlaubt sie sich erheiternde Rückgriffe auf bereits bestehende Formen. Das sind keine Fehlgriffe, sondern verweist auf Verbindungen,…

Feuer und Flamme

In einer Zeit, in der flächendeckende, länger andauernde Stromausfälle wahrscheinlicher werden, erscheint es sinnvoll, sich auf bewährte Formen der Nahrungszubereitung zu besinnen. Man könnte eine elektrische Kochstelle zwar auch mit einem Dieselgenerator oder Sonnenkollektoren betreiben, man könnte einen Campingkocher oder Grill verwenden, doch entgeht einem dann die wichtigste Erkenntnis: Die Einsicht in die Brüchigkeit der menschlichen Zivilisation. Diese Erleuchtung bringt wohl nur die Feuerstelle. Foto: Lutz Meyer

Mehr als nur ein Memento-Mori-Moment

Im Freilichtmuseum Cloppenburg erinnert ein aufgestellter Sarg ebenso an das traditionelle Bestatterhandwerk wie an die Endlichkeit des Lebens. Doch mich sprang bei diesem Anblick etwas ganz anderes an: Das pure Leben. Die Urfom Die Grundform des Sarges taucht im menschlichen Leben in vielerlei Bezügen auf. Es ist der aus Holz gefertigte Kasten. Ein Kasten bedeutet Sicherheit, Schutz. Es fängt mit der Wiege an, dann das Bett, die Truhe, das Boot, der Karren und endlich auch der letzte Kasten. Die Urform…

Nach neuen Meeren

Heute nur eine kurze Ermunterung zum Eigenen mit den Worten eines Anderen: Nach neuen Meeren Dorthin – will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, ins Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glänzt mir neu und neuer, Mittag schläft auf Raum und Zeit –: Nur dein Auge – ungeheuer Blickt michs an, Unendlichkeit! Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, Lieder des Prinzen Vogelfrei (1887)   Foto: Lutz Meyer

Fliegenpilz am Grafensteiner See

Nur Einbildung?

Dieses prächtige Exemplar eines Fliegenpilzes sahen wir gerade am Grafensteiner See. Seine Kappe war nicht Rotkäppchenrot, sondern hatte einen leichten Stich ins Bronzefarbene. Der Fliegenpilz verhilft bekanntlich Schamanen zu ihren rituellen Geistreisen in die Geisterwelt. Aus schamanischer Sicht sind diese Reisen höchst real. Aus westlicher Sicht handelt es sich um einen durch Rauschmittel veränderten Bewusstseinszustand – d.h. die Reise wird zwar als real erlebt, ist es aber objektiv nicht. Was der Reisende sieht, ist ähnlich der Einbildung, dem Traum, der…

Was entsteht, wenn man Archetypen mit Tarotkarten kreuzt?

Lustig oder zumindest doch bemerkenswert, wie viele Autoren, Coaches, Berater, Therapeuten usw. heute mit Archetypen arbeiten und sich dabei auf C.G. .Jung berufen. Der war bei seinen Untersuchungen des kollektiven Unbewussten auf diese psychischen Grundstrukturen und Urbilder gestoßen. Als universelle Prägungen sind sie von Geburt an im Menschen präsent und zeigen sich in Träumen, Märchen, Symbolen, Mythen und in der Kunst. Jung legte keine bestimmte Zahl von Archetypen fest. Die wichtigsten sind Persona, Schatten, Anima und Animus sowie das Selbst…

Tiefer hinab

Carl Gustav Jung sondierte mit dem kollektiven Unbewussten eine Tiefenschicht der Seele, in der nicht nur alle Menschen untereinander, sondern auch Menschen und Tiere aufgrund der gemeinsamen Biologie und Evolution miteinander verbunden sind. Dort, auf einer Art gemeinsamen Urgrund, erschließen sich dem Menschen Archetypen, universelle Urbilder und Grundmuster der Seele. Ernst Jünger erkannte im Ungesonderten etwas dem kollektiven Unbewussten sehr Ähnliches, nur dass das Ungesonderte noch umfassender ist. Es ist der Urgrund für alles, was als Sonderung erkennbar ist:  Menschen,…

Fesseln und binden

Fesselnde Texte nehmen einen gefangen, man liest nahezu atemlos von der ersten bis zur letzten Zeile. Fesselnde Spiele im Bondage-Stil können dafür sorgen, dass die Bindung zwischen den Partnern wächst. Fesselungen, die darüber hinaus gehen, sind eher von Übel. Der Gefesselte ist in der Position der Machtlosigkeit, derjenige, der den anderen gefesselt hat, ist in der Position des Mächtigen. Solche Fesselungen gehen auch ganz ohne Seil, Ketten oder Handschellen und sind gerade in Paarbeziehungen gar nicht mal so selten. Man…

Verweigerung als Lebensform

Derzeit deuten viele Zeichen in Richtung Kriegsvorbereitung. Deshalb ein paar Gedanken zur Wehrpflicht. Sie sind für mich nicht neu, denn anno 1980 habe ich selbst den Wehr- bzw. Kriegsdienst verweigert. Anerkannt wurde ich damals erst in der dritten Runde (vor dem Oberlandesgericht), weil ich in den beiden ersten Runden (vor sogenannten Prüfungskammern) wohl zu wenig Gewissensnöte gezeigt und zu rational argumentiert hatte. Derzeit ruht die allgemeine Wehrpflicht noch, ihre Wiedereinführung scheint aber beschlossene Sache zu sein. Neben den üblichen Verdächtigen…

Wachstum?

Wirtschaftswachstum ist das goldene Kalb, ist der Götze unserer Tage. Ist das Wachstum hoch, wächst der materielle Wohlstand (nicht für alle, aber doch für so viele, dass die Machtstukturen nicht gefährdet werden). Fällt es aus oder sinkt es gar, ist Krisenstimmung angesagt. Dann müssen Opfer dargebracht werden. Dieses Wachstum hat negative Seiten. Es führt in seiner heute gewollten Form zu immer mehr Konsum von auch völlig unnützem Zeug und zu immer mehr Müll. Letzteres, weil die Produkte nicht so lange…