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Drei Rabenträume

Raben sind Aasfresser. Sie hielten sich, als das öffentliche Hängen noch in Mode war, gern in der Nähe von Galgen auf, um sich an den Gehenkten gütlich zu tun, Galgenvögel. Deshalb fühlen auch heute manche Leute sich unwohl, wenn ihnen das Krächzen zu nahe kommt. Raben gelten aber auch als sehr intelligente Tiere. Huginn und Muninn, Odins Raben, stehen für Gedanke und Gedenken, also für die Grundpfeiler menschlichen Denkens: ohne Erinnerung kein kluger Gedanke, ohne Gedanken bleibt jede Erinnerung unstrukturiert…

Gewalt gegen Steine

Ich bin an der steinreichen Ostseeküste aufgewachsen, Steine begleiten mich seit meiner Kindheit durchs Leben, erfreuen mich, geben Anlass zum Nachdenken. Deshalb mag ich Steine. Jeder Stein erzählt eine Geschichte, nämlich die seines Werdens. Steine können auch Geschichte schreiben: Die Geschichte von Kulturen. Sobald Menschen beginnen, mit Steinen zu arbeiten, aus Steinen ihre Welt zu formen, wird der Stein zum Kulturträger. Doch nicht immer entsteht Kultur, wenn ein Mensch sich eines Steines bemächtigt. Manchmal formt sich auch etwas, was auf…

Heckrinder in den Rieselfeldern

Herden, Horden, Trupps, Schwärme – und Rudel im Modus der Achtsamkeit

Mal allein, mal zu zweit: Ich bin gern in Münsters Rieselfeldern unterwegs. Freie Sicht, weiter Himmel, die Luft ist durch die vielen Wasserflächen frischer als an anderen Orten im Münsterland. Stimulierende Umgebung Ich werfe im Gehen immer einen Blick auf die grasenden Heckrinderherden, erfreue mich an den Wildgänsetrupps und Schwärmen sonstiger Vögel. Nase, Augen, Ohren nehmen diese Welt auf. Der Duft nach Heu, wenn die Wiesen gemäht sind, Blütendüfte, Wassergerüche, leicht modrig manchmal, Fruchtiges im Spätsommer und Frühherbst von den…

Feine Unterschiede

Feine Unterschiede

Als gelegentlicher Leser des Landwirtschaftlichen Wochenblatts stoße ich immer wieder auf Dinge, die mir seltsam vorkommen. So auch angesichts der Juni-Ausgabe. Dort wird die Frage erörtert, ob man auch den gesammelten Urin einer ländlichen Festlichkeit (genannt wurden 3 Kubikmeter, vermutlich der Ertrag eines Schützenfestes) als Gülle auf dem Acker ausbringen dürfe. Die Antwort des zuständigen Referenten für Düngefachrecht bei der Landwirtschaftskammer hat mich ins Grübeln gebracht. Offenbar gibt es feine Unterschiede. Mensch und Tier Die Antwort ist: Nein, darf man…

Freude

Freude

Kürzlich war ich mal wieder in Münsters Rieselfeldern unterwegs. Von einem Beobachtungsstand aus sah ich Schwänen, Enten, Gänsen und Blesshühnern zu, wie sie im milden Licht der Abendsonne bei noch sommerlichen Temperaturen auf dem Wasser schaukelten. Libellen zirkelten über ihnen ihre akrobatischen Figuren durch die Luft, eine friedvolle Stimmung, auch Freude war zu spüren. Ich überlegte, ob die Tiere die Situation wohl ebenso genossen wie ich. Empfanden auch sie Behagen, Freude? Was ist Freude? Freude ist ein Gemütszustand, ein Gefühl,…

Steinerne Mauern und andere

Im Stadtmuseum Münster befinden sich einige detaillreich ausgeführte Modelle, die dem Besucher die Entwicklungsstufen der Stadt Münster seit ihren allersten Anfängen im 9. Jahrhundert bis hin zur Nachkriegszeit sehr anschaulich vor Augen führen. Eines meiner Lieblingsmodelle ist das von 1533 – also kurz bevor die Wiedertäufer über die Stadt hereinbrachen. Mauern geben Sicherheit gegenüber dem Außen Es zeigt eine Stadt, die von Wassergräben und doppelten Steinmauern mit Bastionen, Türmen und Toren umgeben ist. Eine solche Stadt ist Sinnbild des Abgeschlossenen…

Städte, aus Korallenriffen erwachsen

Auch hier war einmal Meer. Es ist nur schon eine Weile her. 70 Millionen Jahre, um genau zu sein. Damals war das Münsterland der flache Ausläufer eines urzeitlichen Meeres. Doch dieses längst vergangene Meer hat Spuren hinterlassen in Gestalt von Ablagerungen, von Sedimenten – gebildet aus Sand und den kalkhaltigen Überresten von Korallen, Seeigeln, Tintenfischen, Muscheln und anderen unterseeischen Tieren, deren Abdrücke man heute als Versteinerungen im Sandstein findet. Die Sedimente verfestigten sich im Laufe der Zeit, wurden zu Stein…

Historisches Pflaster: Der Domplatz in Münster – Massenwahn reloaded

Samstag früh trifft man mich meist, so man denn will, auf dem Wochenmarkt in Münster zu Füßen des Doms – ganz früh, wenn es dort noch schön leer ist. Fisch, Geflügel teils noch im Federkleid, Käseräder, urwüchsige Würste und duftende Schinken, Brote mit grober Kruste, Berge frischen Gemüses, würzige Kräuter – eine durchaus archaische Szenerie, die sich den Sinnen darbietet. Nach dem Einkauf der obligatorische Milchkaffee vor dem Domportal. Gern schweifen dabei die Gedanken ab – in weite Ferne, vor…