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Unter den inzwischen mehr oder minder ausgestorbenen Berufen verdient der des Steinfischers besondere Aufmerksamkeit. Der Steinfischer fischt keine Fische und er nutzt auch weder Netz noch Angel, sondern er fischt tatsächlich Steine und bedient sich dabei der zangenartigen Greifarme eines Baggers. Deswegen spricht man auch von Steinzangerei. Bei der Steinfischerei ging es darum, Findlinge vom Grund zu bergen, um sie in Hafenanlagen, Molen und Küstenschutzanlagen zu verbauen: der See abgerungen, um vor der See zu schützen.

Ökologisch nicht korrekt

Weil aber die auf dem Grund liegenden Findlinge dort nicht einfach nur herumliegen, sondern Riffs bilden, die der Meeresflora und Meeresfauna als Heimstatt dienen, geriet die Steinfischerei zunehmend ins Abseits. In schleswig-holsteinischen Gewässern ist sie mittlerweile verboten und würde allenfalls noch betrieben werden, wo Steine der kommerziellen Schifffahrt im Wege sind.

Greenpeace gibt dem Meer etwas zurück

Doch auch der umgekehrte Weg – also Findlinge im Meer zu versenken – wird nicht immer gern gesehen. Als Greenpeace 20020 vor Fehmarn einige tonnenschwere Findlinge in die Ostsee kippte, um der Überfischung entgegenzuwirken (wohlgemerkt der Überfischung mit Blick auf Fische, nicht auf Steine), schritten die Behörden ein. Zuvor hatte Greenpeace Ähnliches bereits vor Sylt praktiziert – auch hier ging es gegen die Fischerei mit Grundschleppnetzen sowie gegen das Absaugen von Sand und Kies.

Sollte es in der Zukunft infolge eines Klimawandels tatsächlich zu einem nennenswerten Meeresspiegelanstieg kommen, würde sich das Problem erfreulicherweise von allein lösen: All die in Molen, Häfen und Küstenschutzanlagen verbauten Findlinge befänden sich nämlich schlagartig wieder unter Wasser.

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Texter und Autor. Schwerpunktthemen sind Gesundheit, Bauen und Philosophie.

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