Wenige Tage noch, die Tür ist bereits geöffnet, ein neues Jahr liegt…

Heute dominiert die Pharma-Industrie unsere Gesundheit – und zwar auf eine äußerst ungesunde Weise. Viele der Leiden, die sie zu heilen verspricht, wären ohne die Produkte benachbarter Bereiche wie allen voran der Lebensmittelindustrie gar nicht erst entstanden. Wie sind die Menschen eigentlich früher mit Erkrankungen umgegangen? Wie wurden sie wieder gesund? Werfen wir einen Blick auf die Schafgarbe.
Die Schafgarbe: Seit Jahrtausenden vielfach bewährt
Die Schafgarbe ist seit Jahrtausenden in Europa heimisch. Namen wie Soldatenkraut, Bauchwehkraut und Frauendank deuten auf ihre Hauptwirkungen als Heilkraut hin. Ihr wissenschaftlicher Name Achillea millefolium geht auf den griechischen Helden Achilles zurück, der im Trojanischen Krieg die Wunden seiner Soldaten mit der blutstillenden und entzündungshemmenden Schafgarbe heilte. Hildegard von Bingen setzte sie vor allem in der Frauenheilkunde ein zur Linderung von Blutungen und Regelschmerzen. Darüber hinaus regt die Heilpflanze auch den Appetit an, die Magensaftproduktion und den Gallenfluss. Auch bei Erkrankungen der Niere und der Blase soll sie wohltuend wirken. Sie wirkt überdies bei Völlegefühl, Blähungen und Magenkrämpfen. Angewandt wird sie als Tee, als Tinktur, bei Umschlägen und als Sitzbad.
Die blutstillende und entzündungshemmende Wirkung, die krampflösende Wirkung und die Anwendung bei Verdauungs- und Unterleibsproblemen ergeben mehrere Indikationen, für die die pharmazeutische Industrie jeweils ein ganzes Bündel von Präparaten mit Hunderten von Nebenwirkungen bereithält.
Wenn ab Juni die Schafgarbe blüht, sollte man es also nicht versäumen, sich einen Vorrat anzulegen. Die Blüten werden sorgfältig getrocknet, um späteren Schimmelbefall zu vermeiden, und sodann kühl und lichtgeschützt aufbewahrt.
Erfahrungsheilkunde, wissenschaftlich bestätigt
Wie aber kam der Mensch überhaupt darauf, Schafgarbe und andere Kräuter als Heilpflanzen anzuwenden? Zunächst gab es vielleicht Beobachtungen an Tieren. Tiere – im Unterschied zum Menschen mit gesunden, ungestörten Instinkten ausgestattet – suchten das Kraut, fraßen es. Und es bekam ihnen gut.
Aber man sollte auch das feine Sensorium von Menschen längst vergangener Zeiten nicht unterschätzen. Womöglich erschien ihnen die Heilwirkung im Traum, als göttliche Botschaft? Oder sie erkannten eine heilende Wirkung aufgrund einer Ähnlichkeit in der Gestalt.
Manchmal half wohl auch der Zufall: eine blutende Wunde wurde mit dem erstbesten Kraut, das in Griffweite war, abgedeckt. Die Blutung wurde schnell gestillt. Man merkte sich das Aussehen der Pflanze und begann, sie gezielt anzuwenden. Hierüber nachzudenken lohnt sich.
Übrigens wurden sehr viel später im Nachgang viele erfahrungsheilkundliche Beobachtungen wissenschaftlich bestätigt. Man tat dies aber nicht etwa, um der Pflanze zu mehr Ruhm und weiterer Verbreitung zu verhelfen, sondern um sie durch ein Präparat zu ersetzen und am synthetisierten Wirkstoff Geld zu verdienen.
Foto: Lutz Meyer