
Bekanntlich werden Menschen deutscher Herkunft von manchen Menschen nichtdeutscher Herkunft gern als Kartoffel bezeichnet. Das ist nicht liebevoll gemeint. Man assoziiert die Kartoffel mit Dummheit und Stumpfheit, Unförmigkeit, Knolligkeit. Womit, nebenbei bemerkt, die spottlustigen Migranten eine Gemeinsamkeit mit den Anthroposophen haben, die dem Nahrungsmittel Kartoffel unterstellen, den Intellekt abzustumpfen. Sei dem, wie es mag – ich persönlich esse, sofern von guter Qualität und vernünftig zubereitet, liebend gern Kartoffeln. Was mich heute umtreibt, ist aber die Frage, was den deutschen Nationalcharakter (also die Kartoffel) so auszeichnet. Hierzu kommt mir die aktuelle Ausgabe der Krautzone wie gerufen. Darin geht es nämlich schwerpunktmäßig um unsere Identität.
Das Selbstbild
Einer aktuellen Studie zufolge hängt, so ist in der Krautzone (4/2026, Seite 8) nachzulesen, die deutsche Identität zu fast 40 % an den deutschen Landschaften. Die „Deutsche Automobilkultur“ zahlt immerhin mit fast 20 % auf die Identität ein. Dazwischen liegen u.a. Mauerfall und friedliche Revolution von 1989, Veranstaltungen wie Karneval und Weihnachtsmärkte sowie das Siegel „Made in Germany“. Weiterhin identitätsstiftend aber abgeschlagen sind u.a. diese Klassiker: die deutsche Ess- und Trinkkultur, diverse Fußballweltmeistertitel, deutsche Geistes- und Kulturgeschichte, die deutsche Mark, die deutsche Willkommenskultur und der deutsche Umwelt- und Naturschutz.
Was bleibt?
Auffällig ist, dass die meisten identitätsstiftenden Faktoren nicht mehr vorhanden sind oder aber auf Abbruch stehen: Die rudimentär noch vorhandene deutsche Landschaft fällt weitgehend dem Windradwahn und sonstigem Flächenfraß zum Opfer, die deutsche Automobilkultur ist so gut wie museal geworden, die deutsche Mark ist futsch, die deutsche Ess- und Trinkkultur längst auf Bier und Bratwurst reduziert bzw. zwischen internationaler Küche und Fast-Food versumpft, deutscher Geist und deutsche Kultur sind in ihrer Tiefe kaum noch jemandem bekannt. Und selbst die Heimeligkeit deutscher Weihnachtsmärkte leidet unter den Folgen der Massenmigration (sie war, muss man zugeben, allerdings auch vorher schon auf Glühweinbesäufnisse und Konsumlust reduziert).
Was bleibt und sicher Zukunftspotenzial hat, ist die deutsche Willkommenskultur. Auch wenn die Begeisterung für sie gerade spürbar abebbt, werden uns ihre Folgen noch lange beschäftigen. Diejenigen, die uns Menschen deutscher Herkunft als Kartoffeln bezeichnen, werden versuchen, eine dominante Rolle zu erlangen. Spätestens dann wird sich die deutsche Identität sowieso verflüchtigt haben.
Foto: Lutz Meyer