Als gelegentlicher Leser des Landwirtschaftlichen Wochenblatts stoße ich immer wieder auf Dinge,…

Es ist Sommer. Und es ist warm. Sehr warm. Körper, Geist und Seele sehnen sich nach Erfrischung. Baden. Aber wo? Freibad? Baggersee? Kanal? Fluss? Oder doch lieber kurz entschlossen ans Meer?
Die Wahl der Qual
Im Münsterland gibt es Freibäder, Baggerseen, die Ems und den Dortmund-Ems-Kanal. Als jemand, der Kindheit und Jugend und die meisten Urlaube am Meer verbracht hat, kommt all das für mich eigentlich nicht infrage. Freibäder haben einige Tausend Besucher pro Tag, nicht wenige von ihnen pinkeln ins Badewasser (der vermeintlich schwimmbadtypische Chlorgeruch entsteht bekanntlich erst aus der Verbindung von Chlor und Urin). Außerdem missfällt mir ein bestimmter Gästetyp, der leider an Zahl in den letzten Jahren beträchtlich zugenommen hat.
Kanal und Baggerseen sind als relativ flache Gewässer bei hohen Temperaturen wahre Brutstätten für Krankheitserreger aller Art. Was im Freibad durch Chlor abgetötet wird, vermehrt sich hier milliardenfach. Tiefere, in der Eiszeit entstandene Seen findet man im Münsterland nicht, weil die letzte Eiszeit nur bis Norddeutschland kam. Die Ems wiederum führt einiges an landwirtschaftlichen Einträgen mit sich, von Gülle bis Pflanzenchemie. Auch nicht wirklich einladend. Hinzu kommt, dass all diese Binnengewässer, egal ob Freibad, Flüsschen oder Baggersee, relativ warm sind und keine echte Erfrischung bieten. Also: Auf ans Meer!
Baden. Im Meer. Wo sonst?
Auch das Meerwasser ist heute durch allerlei Schadstoffe belastet. Ein Gedanke, den mir neulich ein Freund mitteilte, verdient auch Beachtung. Nämlich der, dass das Meer nichts sei als ein riesiger Friedhof – es enthalte nicht nur die Überreste ertrunkener Schiffbrüchiger, die sich langsam im Salzwasser zersetzten, sondern auch all das marine Leben, das irgendwann abstirbt. Hinzu kämen die von den an Nord- und Ostsee allgegenwärtigen Windturbinen geschredderten Seevögel. Man bade also letztlich in verdünnten Leichensäften, angereichert durch allerlei Chemikalien. Die vermeintliche Meeresfrische sei eine Illusion. Also stellt sich die Frage erneut: Baden. Aber wo?
Entweder legt man seine Bedenken ebenso ab wie die Kleidung und geht einfach umstandslos irgendwo ins Wasser. Oder man lässt es und erfrischt sich unter der Dusche oder wartet auf den nächsten Wolkenbruch.
Foto: Lutz Meyer