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Spargel

Die Spargelzeit ist für mich untrennbar mit Paracelsus und seiner Signaturenlehre verbunden. Die Signaturenlehre besagt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Mikrokosmos Mensch und Makrokosmos Natur. Wer die Zeichen zu lesen versteht, kann Aufschlüsse darüber erlangen, welche Pflanze bei der Heilung menschlicher Gebrechen hilfreich sein kann. Dabei geht es um Farben, Formen und Standorte.

Farbe, Formen, Standorte in der Signaturenlehre

Pflanzen mit einer gelb gefärbten Blüte beispielsweise wie die Goldrute können sich als hilfreich erweisen bei Erkrankungen der Nieren und der Harnwege. Da überdies die Blüte der Goldrute auch noch wie ein gelber Strahl geformt ist, ist der Hinweis eindeutig und empirisch belegt. Der Walnuss sagt man wegen der verblüffend hirnähnlichen Form und Struktur eine günstige Wirkung auf das Gehirn nach. Heute weiß man, dass dies an ihren ungesättigten Fettsäuren liegt.

Der Spargel wiederum soll als Aphrodisiakum wirken und der Potenz auf die Sprünge verhelfen. Ob dies, angeregt durch die phallische Form, der Phantasie geschuldet ist oder vitalisierende Inhaltsstoffe wie Vitamin E, Folsäure, Kalium und Asparaginsäure ein wenig nachhelfen, sei dahingestellt.

Pflanzen, die an extremen Standorten gedeihen, sollen die Widerstandskraft stärken und das Immunsystem stärken. Ein gutes Beispiel wäre der Sanddorn, der auf nährstoffarmen, sandigen Böden wächst, und einen zehnmal höheren Vitamin-C-Gehalt aufweist als die Zitrone.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Wie angedeutet, gibt es empirisch nachweisbare Zusammenhänge. Die Wissenschaft will davon nichts wissen, denn sie ist mit der Pharmaindustrie eng verzahnt. An einer Wildpflanze, die jeder ernten könnte, lässt sich nichts verdienen.

Also extrahiert oder synthetisiert man den pflanzlichen Wirkstoff und verpackt ihn in einer bestimmten Konzentration als Pille, Tropfen oder Salbe. Bei diesem Prozess wird allerdings der Wirkstoff aus seiner natürlichen Matrix herausgelöst (oder gar gleich in der Retorte nachgebaut) – also ohne die ihn begleitenden sekundären Pflanzenstoffe, denen ebenfalls eine gesundheitliche Wirkung zugeschrieben wird. Aus mystischer Sicht wird die Pflanze aber auch ihrem göttlichen Zusammenhang entrissen. Sie wird auf Formeln reduziert, durchläuft industrielle Prozesse und wird zu einem standardisierten, seelenlosen Produkt.

Damit lässt sich mitunter zwar auch heilen, auf jeden Fall aber prächtig Geld verdienen. Gern würde die Pharmaindustrie noch einen Schritt weitergehen und den natürlichen Ausgangsstoff (letztlich also die Pflanze im Ganzen) unter Patentschutz stellen um sie so dem natürlichen Zugriff zu entziehen. Löwenzahn, Brennnessel & Co sind dafür eher uninteressant. Anders verhält sich mit exotischen, gerade erst entdeckten Pflanzen. Konsequent gedacht, müssten dann beispielsweise die Angehörigen eines Amazonasindianer-Stammes, die seit Jahrtausenden mit einer bei ihnen wachsenden Pflanze Heilerfolge erzielen, sich diese nun über Amazon als synthetisches Präparat liefern lassen.

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de