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Vom Meer ans Land

Einen Meilenstein der Evolution markierte der Schritt vom Meer ans Land: Unsere Urahnen verließen kriechend, krabbelnd, robbend, glitschend, hüpfend das feuchte Element und richteten sich im Trockenen ein. Da in der Evolution nichts ohne Nutzen geschieht, mag man sich fragen, worin der konkrete Vorteil dieses Schritts bestand. War es an Land sicherer? Gab es dort mehr Nahrung? Ich vermute, der Grund lag einfach darin, dass man als Landbewohner immer wieder lustvoll ins Meer und von dort erneut ans Land zurückkehren kann. Und zwar im aufrechten Gang.

Vom Meer an Land – und zurück

Wir Menschen scheinen eine Sehnsucht nach dem Meer in uns zu tragen. Die meisten Angehörigen der menschlichen Spezies verbringen ihren Urlaub bevorzugt am, im oder auf dem Meer. Und die Lebewesen, denen das Meer noch heute Heimat ist, gehören zu den bevorzugten Lebensmitteln. Zwar gibt es auch Menschen, die weder Fisch noch Meeresfrüchte mögen und ihren Urlaub lieber in den Bergen verbringen, doch mag es hierfür individuelle Gründe geben. Nach meinem Eindruck überwiegt die Sehnsucht nach der Urheimat Meer.

Was geschieht beim erneuten Eintauchen?

Wir sind an einem Sommertag am Meer, es ist heiß, wir suchen die Erfrischung. Wenige Schritte nur, schon umfängt uns das kühlende Wasser. Es streichelt, umschmeichelt und umströmt uns. In der Berührung liegt etwas Zärtliches, fast Erotisches. Kommt eine ordentliche Brandung hinzu, wächst das Vergnügen. Wir werfen uns in gischtgekrönte Wellen, tauchen unter, kommen prustend wieder hoch.

Natürlich kann es auch gefährlich werden, der Sog des zurückströmenden Wassers wurde schon manch einem zum Verhängnis. Doch zum Leben gehört nun einmal auch der Tod. Dem freilich kann man hier entrinnen, wenn man nicht den Fehler macht, gegen die Strömung anzukämpfen. Schwimmt man parallel zum Ufer, bis die Kraft der Strömung nachlässt, lässt sich der sichere Strand fast immer erreichen.

Sind wir im Wasser und lassen die Salzfluten ihr Spiel mit uns treiben, scheint das eine Urerinnerung zu wecken: Wir sind wieder einmal zu Hause.

Foto: Lutz Meyer

eyer

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de