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Vor nunmehr fast 40 Jahren erwarb ich diesen Eierbecher in einer Poterie in St. Malo. Dass dieses Zeugnis solider nordfranzösischer Töpferkunst mir noch heute jeden Sonntag mein Frühstücksei stilvoll und ohne jede Macke zum Verzehr darbietet, verdankt sich seiner nahezu unverwüstlichen Qualität. Und meiner Wachsamkeit. Beides ließ ihn in einem Haushalt überdauern, in dem drei lebhafte Kinder aufwuchsen.

Warum ein Eierbecher?

Ich erstand den Eierbecher am letzten Tag eines Campingurlaubs in der Bretagne. Ich muss erwähnen, dass ich eigentlich kein Eierbechersammler bin. Warum also um alles in der Welt einen Eierbecher kaufen? Und warum nur einen? Sollte man nicht wenigstens zwei Eierbecher haben für das Frühstück zu zweit? Und wären beispielsweise zwei Milchkaffeetassen nicht weitaus nützlicher gewesen? Ein gekochtes Ei lässt sich zur Not auch ohne Eierbecher verzehren, Milchkaffee aus der hohlen Hand zu schlürfen wäre weitaus problematischer.

Gewiss, doch meine zu Studentenzeiten ohnehin nicht besonders üppige und im Urlaub weiter geschrumpfte Barschaft ließ leider nichts anderes zu als das preiswerteste Stück eines prachtvollen Steingut-Geschirrs. Und das war eben dieser eine Eierbecher, der immerhin eine stattliche, eher normannisch als bretonisch zu nennende Statur und Größe und eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Siegerpokal en miniature aufwies. Gesiegt hat er (zumindest bislang) über den Zahn der Zeit.

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Texter und Autor. Schwerpunktthemen sind Gesundheit, Bauen und Philosophie.

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