Einen Meilenstein der Evolution markierte der Schritt vom Meer ans Land: Unsere…

Das Staunen zeichnet das Kind aus. Täglich gibt es Neues zu entdecken, Dinge, die den Eltern vertraut, selbstverständlich oder gar langweilig vorkommen, sind für das Kind unerhörte Entdeckungen. Das Staunen gilt übrigens auch als der Anfang der Philosophie: Das Alltägliche, Bekannte, Normale wird zum Befremdlichen, zum Ausgangspunkt von Fragen und Grübeleien. Vielleicht kommt uns deswegen der Philosoph so oft wie ein Kindskopf vor?
Die Rückkehr zum Staunen
Wie das Kind, so wird auch der Philosoph oft belächelt. Zu Unrecht. Wir sollten das Staunen wieder lernen, denn es schenkt unserer Sicht auf die Welt längst verloren geglaubte Tiefen. In diesem Prozess erkennen wir, dass das bis dahin als sicher Geglaubte nur eine Konvention ist: Man ist irgendwann übereinkommen, an diesem Punkt Halt zu machen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, mit dem Fragen aufzuhören. Es ist halt so. Basta. So hält ein eintöniges Grau Einzug in unsere Welt.
Der Schritt zurück
Die Welt ist voller staunenswerter Dinge. Eine einfache Blüte, oft gesehen, oft ignoriert. Schaut man genauer hin, entdeckt man ein filigranes Wunderwerk. Beobachtet man die Blüte eine Weile, das Kommen und Gehen von Insekten, wird alles noch erstaunlicher. Die Welt gewinnt eine Tiefendimension jenseits aller Ursache-Wirkung-Mechanismen, jenseits aller Rationalität. Hier geht es nicht um naturwissenschaftliche Beschreibung, sondern um das Erkennen dessen, was Leben ist. Das Staunen gibt keine Antworten, eher reißt es neue Fragen auf, die uns noch weiter hinausziehen ins Unsortierte, Unbegangene, Mysteriöse. Geben wir uns dem doch öfter mal hin.
Wissenschaftliche Wahrheiten bleiben davon unberührt, sie behalten ihre Geltung dort, wo man sie braucht. Aber unser Geist, der eine Weile frei um die Erscheinungen herumschwirren darf, erholt sich, steigt auf, wird leichter, luftiger. Rückschritt ist mitunter sinnvoller als Fortschritt: Tritt man einen Schritt zurück, sieht man einfach mehr.
Foto: Lutz Meyer