Überspringen zu Hauptinhalt
Der Glückspilz. Oder: Das Wahre Fest Der Liebe.

Normalerweise schätzt zur Pilzsaison sich glücklich, wer Steinpilze oder andere erlesene Speisepilze findet. Doch als eigentliche Verkörperung des Glücks gilt der Fliegenpilz. Als sprichwörtlicher Glückspilz neben dem vierblättrigen Kleeblatt, dem Hufeisen, dem Glücksschwein und dem Schornsteinfeger ist er eines der traditionsreichsten Glückssymbole unserer Breiten. Woher das kommt?

Im Rausch liegt das Glück

Christian Rätsch, Altamerikanist und Ethnologe, ist auf ethnopharmakologisches Wissen und den rituellen Gebrauch von Pflanzen spezialisiert. In seinem Büchlein „Abgründige Weihnachten“ erfährt man nicht nur, was der Weihnachtsmann mit dem Fliegenpilz zu tun hat, sondern eben auch, warum der Fliegenpilz als Inkarnation des Glücks gilt.

Die Antwort auf die letztgenannte Frage ist erstaunlich einfach: Weil der Fliegenpilz seit jeher als Lieferant berauschender Substanzen dient und auf diese Weise für beglückende Erfahrungen sorgt, gilt er als der wahre Glückspilz. Schließlich enthebt nichts uns so sehr des widrigen Alltags und seiner Mühsal wie ein satter Rausch (wenigstens solange man nicht an die Folgen denkt). Im Zuge der Christianisierung freilich wurde der heidnische Glückspilz als Giftpilz dämonisiert, dem man sogar eine todbringende Wirkung zuschrieb. Tatsächlich aber genoss der Fliegenpilz immer auch den Ruf eines Aphrodisiakums – in der schamanischen Weltsicht vereint er das weibliche Rot mit dem männlichen Weiß und symbolisiert neben der Schöpfung neuen Lebens im Liebesakt auch die Schöpfung der Welt.

Ach ja: Und beizeiten an Weihnachten denken!

Und um von dort zur erstgenannten Frage nach dem Zusammenhang von Fliegenpilz und Weihnachtsmann zu kommen, der sozusagen ein anthropomorpher Fliegenpilz ist: Das Fest der Liebe sollte im Zeichen des Fliegenpilzes auf sinnliche, rauschhafte und sehr konkrete Weise begangen werden.

Wer die Wirkung an sich selbst erproben möchte, findet bei Rätsch sachdienliche Hinweise zur Zubereitung und zum Konsum. Da einige der Rezepturen etwas langwieriger in der Vorbereitung sind und außerdem letzte Exemplare des Fliegenpilzes drauß’ im Walde noch zu finden sind, erscheinen diese Hinweise zu einer etwas anderen Gestaltung des kommenden Weihnachtsfestes mit gebührendem zeitlichen Vorlauf.

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Texter und Autor. Schwerpunktthemen sind Gesundheit, Bauen und Philosophie.

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.