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Die Entwurzelten

Die Entwurzelten

Vertreibung, Flucht, Auswanderung, Formen moderner Mobilität: Entwurzelung gehört zum Menschsein dazu. Die Ursachen sind vielfältig: Krieg, Seuchen, Hungersnöte, Hoffnung auf ein besseres Leben, Abenteuerlust, Individualismus. Die Entwurzelten erleben ihr Entwurzeltsein zwar oft, aber nicht zwangsläufig als ein Unglück. Entwurzelung kann sogar mit gesteigerter Lebenslust und einem Zuwachs an Fülle einhergehen. Was macht die Entwurzelten zu Entwurzelten? Der Begriff Entwurzelung ist dem Pflanzenleben entlehnt: Die Pflanze lebt und gedeiht, solange sie mit ihren Wurzeln dort bleibt, wo sie gekeimt hat, wo…

Das Leuchtfeuer

Das Leuchtfeuer       

Unweit von Hvide Sande steht dieses Leuchtfeuer. Wie ein bleicher Knochen ragt es zwischen den Dünen empor. So ein Leuchtfeuer zeigt den Schiffen bei Nacht an, wo sie sich befinden. Es gibt Orientierung und Sicherheit. Es gab allerdings auch immer schon Leuchtfeuer ganz anderer Art. Das Leuchtfeuer, das in die Irre führt In früheren Zeiten entzündeten Küstenbewohner mitunter Leuchtfeuer, um Schiffe in die Irre zu führen. Man führte so gezielt Strandungen herbei. War das Schiff aufgelaufen, machten sich diese Strandpiraten…

Blick aufs Meer hinaus

Blick aufs Meer hinaus

Der Blick aufs Meer hinaus geht zugleich weit zurück in die Vergangenheit. Was mögen Menschen vor Jahrtausenden gedacht haben, wenn sie am Ufer standen und aufs Meer hinausblickten? Frühe Ufergedanken Am Ende der letzten Eiszeit wanderten die Menschen nordwärts. Sie folgten dem Wild, querten dabei weite Ebenen, Berge, Flüsse. Und dann standen sie plötzlich am Ufer eines Meeres. Was mögen sie gedacht haben? Da der Mensch sich immer in einem Überlebenskampf befindet, werden die ersten Gedanken nicht gewesen sein: „Oh,…

Zeichen

Zeichen und ihre Deutung

Anhand des derzeitigen thematischen Schwerpunktes auf diesem Blog merkt man, dass ich gerade mal wieder in Dänemark war. Und weil die dänische Westküste außer Dünen, Strand und Nordsee erfreulich wenig zu bieten hat (zumal im März), erscheinen auch banale Dinge als etwas Bemerkenswertes. So wie diese merkwürde, ein wenig an moderne Kunst erinnernde Konstruktion aus Schwemmholz, die ich sofort als Zeichen zu lesen versuchte. Prototyp eines frühen Observatoriums Ich ging kurz nach Sonnenaufgang den Strand entlang, blickte kurz Richtung Dünen…

Zeitenwende

Zeitenwende

An der dänischen Westküste finden sich zahlreiche Relikte aus dem zweiten Weltkrieg – deutsche Bunkeranlagen, Reste des Atlantikwalls. Die meisten sind verziert mit Graffitis. Während es in den zurückliegenden Jahrzehnten üblich war, diese Ruinen mit einem gewissen Schauder als Überbleibsel von etwas zu betrachten, das abgeschlossen in der Vergangenheit ruhte und niemals wiederkehren würde, sieht man diese Betonmonster heute mit anderen Augen: Sie stehen für etwas, das wiederkehren wird. Krieg. Eine Zeitenwende findet gerade in den Köpfen statt. Zeitenwende: Kriegsbegeisterung…

Das Dorf und sein Vollmond am 1. Februar 2026

Das Dorf

Das Dorf – was ist das? Nun, eine kleine, ländliche Gemeinde mit bis zu 5.000 Einwohnern. Was zeichnet das Leben auf dem Dorf aus? Nachbarschaftshilfe, jeder kennt jeden, man achtet aufeinander, Ruhe, Frieden, geerdet sein – sozusagen der Gegenentwurf zur Hektik und zu all dem Durcheinander, das aus der großen weiten Welt in unser Leben bricht? Das Dorf als Widerstandsnest wie bei Asterix, das der römischen Weltmacht Paroli bietet? Von dem dann eine Erneuerung der Welt ausgeht? So ähnlich stellt…

Schamanen und ihre Trommel

Eine Trommel macht noch keinen Schamanen

Wer Schamane werden will, kann auf ein reichhaltiges Angebot an Workshops und Wochenendseminaren sowie auf allerlei Utensilien zur Ausführung schamanistischer Rituale zurückgreifen. Doch kann man das so einfach – Schamane werden? Traditionelles Schamanentum wurzelt in alten steinzeitlichen Kulturen und reicht in letzten Restbeständen bis in die Gegenwart. Traditionelle und heutige Schamanen Der Schamane eines Stammes hatte die Aufgabe, den Rat der Ahnen einzuholen. Etwa vor wichtigen Entscheidungen, bei Krankheiten und allem, was das Schicksal des Stammes betrifft. Über Generationen tradierte…

Winter

Winter war’s…

Der strenge Winter als Inbegriff des Lebensfeindlichen und Tödlichen? Kennen wir hier in Mitteleuropa das noch? Da müsste man schon in der Edda blättern: Der klirrend kalte Fimbulwinter geht, von endlosen Kriegen begleitet, dem Weltuntergang voraus. Oder man fragt mal bei älteren Verwandten nach, die den Hungerwinter 1946/47 erlebt haben. Aber sonst? Winter als Wohlfühlerlebnis Der eine oder andere Winter der letzten sieben Jahrzehnte mochte in Mitteluropa streng gewesen sein. Hungern, frieren oder gar erfrieren mussten allenfalls Menschen am Rande…

Der Staat

Staat und Menschsein

Zu meinem letzten Beitrag bekam ich was zu hören bzw. zu lesen. Kritik kam aus zwei Richtungen. Die einen monierten, dass ich die Rolle des Staates bei der Gefährdung der inneren Wildnis nicht sehen würde. Die anderen wiesen darauf hin, dass mein offenkundig anarchischer Ansatz in die Irre führe: Ohne Staat könne eine fortgeschrittene Zivilisation nicht existieren. Mein Standpunkt ist eindeutig: Staat und Menschsein befinden sich in keiner besonders glücklichen Beziehung. Denn welche Beziehung wäre glücklich zu nennen, in der…

Nachdenken über Sesshaftigkeit

Sesshaftigkeit

Unterwegs. Eine kurze Rast auf einer Frühlingswiese lädt zum Nachdenken ein. Zum Beispiel über Sesshaftigkeit. Sesshaftigkeit entstand, als unsere Vorfahren vom nomadisierenden Jäger und Sammler zum Bauern wurden. Zwar gab es auch danach immer noch Ortsveränderungen, wenn etwa der Boden nichts mehr hergab. Dann zog man einige Kilometer weiter, machte neues Land urbar und lebte dort für ein paar Jahre. Doch blieb es bei Ortswechseln in einem engen Umkreis, man blieb der Landschaft weitgehend treu. Radikale Ortsveränderungen waren eher unfreiwillig…