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Maultier

Nichts hält ewig. Auch nicht aus Beton gefertigte Bunkeranlagen. Die Reste des Atlantikwalls an der dänischen Nordseeküste, die noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammen, versinken nach und nach im Meer. Was nicht überspült wird, bekommt die Witterung klein. Trotzdem ist es beklemmend zu sehen, wie viele Überreste der Bunker, die die deutschen Besatzer damals gebaut haben, noch heute im Sand stehen. Im westjütländischen Blavand hat der Künstler Bill Woodrow anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung Dänemarks aus einigen der grauen Klötze Maultierskulpturen geschaffen: Vorne einen metallenen Pferdekopf, hinten den typischen Eselschwanz. Er nannte seine Skultpur „Riding into the sea“ und machte somit aus den Bunkern friedliche, fleißige Arbeitsgesellen, die mit dem Unheil des Krieges meerwärts ziehen. Mehr noch: Maultiere können sich als Kreuzung aus Pferd und Esel nicht fortpflanzen – oder Krieg und seine Auswüchse sollen nicht reproduziert werden.

Für die Ewigkeit

Auch die Maultiere sind 22 Jahre später schon deutlich gealtert. Sie sind komplett mit Rost überzogen und unterliegen beinahe noch deutlicher als die Bunkerreste dem Verfall. Vielleicht kippen sogar eines Tages Hals, Kopf und Schwanz ins Meer, während die Bunkerreste aus Zement, Wasser und Gesteinskörnung noch viele Jahre überdauern. Denkbar ist es, denn obwohl die Verteidigungslinie entlang der Küsten des Atlantiks, Ärmelkanals und der Nordsee sehr schnell innerhalb von zwei Jahren verwirklicht werden sollte, sind die errichteten Bauwerke erstaunlich stabil. Trotz der unterschiedlichen Struktur – mal grob- und mal feinporig – scheinen die Bunker aus Beton für die Ewigkeit gebaut. Umso besser, dass der Nationalsozialismus 1945 sein Ende fand und die Zeit nun auch den grauen Gebilden endgültig den Garaus macht.

 

Foto: Nicole Hein

Nicole Hein

Nicole Hein ist freie Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Gesundheit, Steuern, Lebensart & Wohnen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Klar, wenn man die Betondinger in ihrem historischen Kontext sieht, kann man sie wohl nur mit gemischten Gefühlen betrachten. Aber es geht auch anders. Stephan Vanfleteren zeigt in seinem Buch “Atlantic Wall” wunderbare Schwarzweißfotografien der Bunker bzw. Bunkerruinen, die im Zusammenspeil mit einsamen Landschaften und eben nicht künstlerisch verschandelt eine fast schon mystisch zu nennende Ausstrahlung haben – sie wirken wie namenlose Überreste einer untergegangene Epoche, über die niemand etwas weiß. Nicht einmal, ob sie von Menschenhand erbaut wurden oder von einer Art Titanengeschlecht…
    Gruß und weiter viel Freude mit dieser netten Seite 🙂
    Seebär

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