Engelwurz gilt im Christentum als Symbol der Dreifaltigkeit, war eines der Hauptheilmittel…

Der strenge Winter als Inbegriff des Lebensfeindlichen und Tödlichen? Kennen wir hier in Mitteleuropa das noch? Da müsste man schon in der Edda blättern: Der klirrend kalte Fimbulwinter geht, von endlosen Kriegen begleitet, dem Weltuntergang voraus. Oder man fragt mal bei älteren Verwandten nach, die den Hungerwinter 1946/47 erlebt haben. Aber sonst?
Winter als Wohlfühlerlebnis
Der eine oder andere Winter der letzten sieben Jahrzehnte mochte in Mitteluropa streng gewesen sein. Hungern, frieren oder gar erfrieren mussten allenfalls Menschen am Rande der Gesellschaft, also die, die ohnehin niemand sieht. Aber für das Gros der Mitteleuropäer war der Winter eine Mischung aus häuslicher Gemütlichkeit, sportlichen Vergnügungen und ein wenig Verdruss vielleicht wegen des morgendlichen Eiskratzens, hoher Heizkosten und der Streupflicht.
Volle Regale in den Supermärkten und eine weitestgehend zuverlässige Energielieferung sorgten allzeit dafür, dass die elementare Härte des Winters zu niemandem durchdrang. Ach, richtig, da gibt es ja auch noch die gefürchtete Winterdepression. Aber Schwamm drüber. Kein Vergleich mit dem Leiden früherer Generationen im Winter. Das alles ist zum Glück weit entfernt von uns. Wirklich?
Was passieren könnte und aller Voraussicht nach irgendwann auch passieren wird
Dass unsere Energieversorgung (und mit ihr die Lebensmittelversorgung) so sicher nicht ist, konnte man gerade mal wieder modellhaft in Berlin bestaunen. Was wird erst passieren, wenn irgendwann der infolge einer jahrzehntelangen katastrophalen Energiewirtschaft ein flächendeckender Blackout eintreten wird? Ein Blackout, der das ganze Land lahmlegt und Teile der Nachbarländer? Ein Blackout, der Wochen dauern würde?
Die zivilisatorische Schicht, die uns Heutige vom Fimbulwinter trennt, ist ziemlich dünn. In den ersten vier, fünf Tagen eines totalen Blackouts würden die Menschen einander helfen (jedenfalls die meisten). Man würde dem bedürftigen Nachbarn Lebensmittel geben, überflüssige Teile der Wintergarderobe spenden, Gestrandete beherbergen, kurzum: Anstand zeigen. Aber danach? Dann würde der Ton gereizter werden, der Frust nähme zu. Man hungert, man friert, nicht einmal die Toilettenspülung funktioniert noch.
Man könnte auch nicht zu Freunden in einen benachbarten Stadtteil fahren, um sich dort zu versorgen. Denn auch dort gäbe es weder Wärme noch Wasser noch Lebensmittel. Und das Internet funktioniert sowieso schon lange nicht mehr.
Also lasset uns Vorräte anlegen?
Bei grimmig guter Laune wären allenfalls die Prepper. Jedenfalls vorläufig. Sie haben rechtzeitig Notstromaggregate angeschafft und Lebensmittelvorräte angelegt und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Aber auch das Prepper-Glück hält nicht ewig vor. Es wird nicht lange dauern, bis die ersten Marodeure Einlass in den wohlversorgten Prepper-Haushalt begehren.
Nach 10 bis 14 Tagen würde die Stimmung kippen. Gewaltexzesse wären an der Tagesordnung. Die Ordnungsmacht, die derlei schon zu guten Zeiten nicht immer zu verhindern vermochte, hat sich aufgelöst bzw. beteiligt sich an den Gewaltexzessen.
So würde uns ein harter Winter in Kombination mit einem Blackout binnen weniger Tage zeigen, wer und was wir wirklich sind. Wobei ein Blackout wahrscheinlich auch zu jeder anderen Jahreszeit einen ähnlichen Effekt haben würde.
Foto: Lutz Meyer