Wenn es im Unternehmen irgendwo hakt, wird man früher oder später immer…

Maritime Freuden sind nicht der Seefahrt und dem Strandaufenthalt vorbehalten: Vor den Auslagen eines gut sortierten Fischhändlers bekomme ich große Augen und Magenknurren. Es fehlt nicht viel, dass mir der Sabber aus dem Mund läuft. Zuweilen muss mich das Verkaufspersonal mehrfach auf meinen Wunsch ansprechen, ehe ich aus der verträumten, hingebungsvollen Betrachtung der Ware erwache und widerwillig in die Alltäglichkeit des Handels zurückkehre. Es ist tatsächlich so, dass ich für mein Leben gern Fisch, Muscheln und Krebstiere esse. Bliebe mir die Wahl zwischen Landgetier, Geflügel und Fisch, ich zöge das Seegetier jederzeit vor.
Fisch & Co: Fragen der Zubereitung
Sollte an der Sache mit der Seelenwanderung was dran sein, werde ich dereinst mit großer Wahrscheinlichkeit als Möwe, Orca oder Kegelrobbe wiedergeboren werden. Wenn es da nicht die Besonderheiten der Zubereitung gäbe. Möwen und Robben verschlingen ihre Beute bekanntlich roh, ich nur in Ausnahmefällen.
Bei mir wird die Beute gern in Olivenöl angebraten, mit Salz und ein paar Kräutern gewürzt. Optional dürfen auch Knoblauch, Zwiebeln, Weißwein, Pfeffer, Zitronensaft, Senf und Speck zur geschmacklichen Abrundung beitragen. Dabei kommt es ganz auf den Fisch an – frischer Thunfisch verträgt sich ausgezeichnet mit Rosmarin, Kabeljau mit Senf, Muscheln mit Wein und die Scholle mit Speckwürfeln. Niemals hingegen würde ich eine Scholle mit Rosmarin zubereiten, auch Schollenröllchen in Weißweinsauce sind mir eher suspekt. Natürlich ist neben der Würzung auch die Garmethode nicht ganz unwichtig. Holzkohlegrill, Räucherofen, Topf und Pfanne sind fundamental für die Ausprägung der späteren Gaumenfreude.
Ehe man mich für einen schnöden Gourmet hält: Hering, Kabeljau und Scholle stehen bei mir nicht weniger im Ansehen als sagen wir mal Hummer und Austern. Dies ist allein schon deswegen so, weil ich mir die Erstgenannten öfter leisten kann. Frische und eine gewisse Einfachheit der Zubereitung sind mir am wichtigsten. Doch auch Ölsardinen verschmähe ich nicht. Eine rote Linie überschritten wird erst bei Fischstäbchen.
Ich habe oft darüber nachgedacht, woher ich diese Vorliebe für Fisch habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Kindheit in Sicht- und auch Riechweite des Fischereihafens einer holsteinischen Kleinstadt verbrachte und regelmäßig frsicher Fisch auf den Teller kam. Von anderen Anwohnern ist mir allerdings bekannt, dass sie aus genau diesen Gründen keinen Fisch mochten. Vielleicht ist es mit der Seelenwanderung auch anders, Ich war schon mal eine Robbe und bin lediglich meinen Vorlieben treu geblieben.
Maritime Freuden und ihre Beilagen
Auch hier bin ich nicht festgelegt: Bratkartoffeln, Nudeln oder Reis können die passende Begleitung sein. Gemüse als zusätzliche Begleitung erscheint mir hingegen entbehrlich, wobei ein wenig kurz angebratener Queller tatsächlich zur Abrundung beitragen kann. Ein paar Spinatblätter, Pak Choi, Spargel und Ähnliches können aus optischen Gründen eine Existenzberechtigung auf dem Fischteller haben – dem Genuss sind sie meist nicht sonderlich förderlich.
Foto Fischhandel: Lutz Meyer
Foto Fischkutter in Neustadt/Holstein: Unbekannte Herkunft