Wer seine Gedanken sprachlich auf den Punkt bringt, verbessert die Aussicht, verstanden…

Mal allein, mal zu zweit: Ich bin gern in Münsters Rieselfeldern unterwegs. Freie Sicht, weiter Himmel, die Luft ist durch die vielen Wasserflächen frischer als an anderen Orten im Münsterland.
Stimulierende Umgebung
Ich werfe im Gehen immer einen Blick auf die grasenden Heckrinderherden, erfreue mich an den Wildgänsetrupps und Schwärmen sonstiger Vögel. Nase, Augen, Ohren nehmen diese Welt auf. Der Duft nach Heu, wenn die Wiesen gemäht sind, Blütendüfte, Wassergerüche, leicht modrig manchmal, Fruchtiges im Spätsommer und Frühherbst von den alten Obstbäumen entlang der Wege und auf der Streuobstwiese, hier und da auch ans Wattenmeer erinnernde Aromen von Schwefelwasserstoff.
Ansonsten denke ich auf meinen Gängen gern nach, die Umgebung in Verbindung mit der Bewegung stimuliert mich. Vom Gänsegeschnatter abgesehen, ist es ziemlich ruhig und ungestört dort, kaum Menschen – und wenn doch mal Menschen, sind es meist solche, die in die Betrachtung der Vogelwelt versunken sind.
Organisierte Achtsamkeit
Vergangene Woche dann aber dies: Schon von weitem sichtbar ein Menschen-Rudel, vielleicht 15 bis 20 überwiegend Frauen jüngeren bis mittleren Alters. Im Näherkommen dann auch hörbar. Man quasselte. Im ersten und auch im zweiten Moment dachte ich an eine ornithologische Führung. Dann aber vernahm ich die Rudelführerin, wie sie ihre Gefolgschaft langsamer gehen ließ, zu Stille anhielt – und zu Achtsamkeit.
Ich begriff: Ich war den Teilnehmern einer angeleiteten Achtsamkeitswanderung begegnet. Menschen also, die – obzwar erwachsen – sich offensichtlich nicht ohne Anleitung im Freien bewegen konnten. Es musste ihnen jemand erklären, wie man draußen in der Natur Augen, Ohren und überhaupt alle Sinne offen und den Mund auch mal geschlossen hält.
Foto: Lutz Meyer