Ein Anblick tierischen Behagens, das sofort auf mich als Betrachter übergeht: Eine…

Wer seine Gedanken sprachlich auf den Punkt bringt, verbessert die Aussicht, verstanden zu werden. Liegt es also nur an der richtigen oder falschen Kommunikation, ob eine Botschaft ankommt?
Das ewige Lamentieren, privat und politisch
Wie oft fällt in Beziehungsgesprächen wohl ein mitunter seufzend, meist eher genervt vorgebrachter Satz wie „Du hast mich nicht richtig verstanden“ oder „Das hatte ich anders gemeint“? Oder wie oft hört man Politiker der sogenannten Altparteien nach einer weiteren Wahlniederlage klagen: „Es ist uns nicht gelungen, unsere Inhalte richtig zu kommunizieren.“ Doch das richtige Kommunizieren scheint immer seltener zu gelingen. Der Erklärungsansatz verkommt zur hohlen Phrase. Denn es kommt nicht so sehr auf das richtige Kommunizieren an. Etwas Grundlegenderes ist wichtiger.
Diese sicher schon oft gesehene Grafik bildet das Problem gut ab – vom Gedachten und Gemeinten kommt nur ein Minimum beim Empfänger der Nachricht an:
Wo entsteht der Bruch?
Begibt man sich auf die Fehlersuche, fallen zwei Übergänge auf: Es gelingt einem nur unvollkommen, das Gedachte, Gemeinte, Gewollte in eine adäquate sprachliche Fassung zu bringen. Diese sprachliche Fassung dann an den Empfänger zu bringen, birgt weitere Tücken – vielleicht bemüht man sich zu sehr, seine Sprache zu sprechen, vertut sich dabei aber? Für beide Möglichkeiten der Fehlübermittlung des Gewollten gibt es Kommunikations- und Rhetoriktrainings: Man gibt demjenigen, der eine Botschaft zu übermitteln hat, ein paar Tricks an die Hand.
Ob Politiker, Journalist, Werbefuzzi oder Callcenter-Mitarbeiter: Sie sollen mithilfe erlernter Sprachmanipulation in die Lage versetzt werden, das eigentlich Gewollte vollumfänglich an den Mann zu bringen, so dass im Idealfall eine Deckungsgleichheit entsteht des größten Kreises (die eigenen Gedanken, das Gewollte) und des kleinsten Kreises (was der Empfänger versteht). Das funktioniert aber so gut wie nie: Die Leute bemerken solche Manipulationsversuche immer öfter und reagieren verstimmt. Was also tun?
Die Bedeutung des Denkens gegenüber dem Sprechen
Das Problem liegt nur vordergründig in einer mangelhaften sprachlichen Übermittlung. Vorrangig liegt es im Denken selbst begründet. Bezogen auf Politiker ist das Denken zu abgehoben, weit weg von der Lebenswirklichkeit der Leute, zu sehr auf die im Hintergrund liegende Programmatik bezogen. Die aber soll der Zielgruppe ja vielleicht gar nicht im Detail mitgeteilt werden. Der Politiker verschweigt mehr, als er sagt – denn würde er alles sagen, wäre es auf andere Art sehr schnell mit dem Verständnis vorbei. Also lieber nicht alles sagen. Gefragt wäre also der ehrliche, mehr noch der ehrbare Politiker. Mangelware, würde ich sagen.
Aufgabe wäre es, das Denken neu zu lernen: Voraussetzungen überprüfen, Logikbrüche erkennen, echte Prioritäten identifizieren, mit der Wirklichkeit abgleichen. Dann erst stellt sich die Frage nach der sprachlichen Fassung und ihrer Vermittlung. So entsteht authentische Sprache. So entsteht Glaubwürdigkeit.
Foto: Lutz Meyer´/Grafik: Netzfund
