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Black Rock mit Rohtaut

Black Rock ist eine US-amerikanische Investorengesellschaft mit Sitz in New York City und der weltweit größte Vermögensverwalter? Es gibt Leute, die das wirklich glauben. Black Rock ist aber, wie der Name schon sagt, nichts weiter als ein black rock, ein schwarzer Felsen eben. Und diesen schwarzen Felsen suchte ich kürzlich auf.

Black Rock, Stein der Weisen

Als ich im Morgengrauen dort ankam, fand ich den schwarzen Felsen besetzt vor. Auf ihm thronte eine Gestalt, wie man sie aus den alten Karl May-Filmen kennt, Indianer sagte man früher. Heute ist aus unerfindlichen Gründen aus dem aner ein gener geworden, ein Indigener also. Das tut aber nicht viel zur Sache, bleiben wir also beim Indianer.

Zwar hatte ich mich darauf gefreut, mit dem Felsen eine Weile allein zu sein und über die Farbe Schwarz nachzudenken. Denn womöglich war dieser schwarze Felsen der wahre Stein der Weisen? Doch wann hat man schon mal Gelegenheit, mit einer waschechten Rothaut (noch so ein schöner Name von früher, und dann auch noch waschecht) zu quatschen? Er rückte ein Stück zur Seite, sodass ich neben ihm sitzen konnte.

Nachdenken über die Farbe Schwarz

Die Farbe Schwarz steht manchmal für Trauer. Schwarz ist auch die Farbe von unverfälschtem Kaffee, von allerlei Rabenvögeln und Steinen wie dem Obsidian. Es gibt auch das kleine Schwarze als Bezeichnung für ein verführerisches Kleidchen. Und mancher Seele sagt man nach, sie sei schwarz, schwarz wie der Teufel. Nicht vergessen sollte man die schwarze Magie und die schwarze Pädagogik.  Ist schwarz also möglicherweise gar keine Farbe, sondern ein sehr schillernder Zustand?

Diese Frage stellte ich dem Indianer. „Für ein Bleichgesicht gar nicht so übel“, sprach er nach einer Weile. „Aber getroffen hast du es noch nicht. Denk noch einmal tiefer nach.“ Weil ich weiß, dass man mit dem Herzen manchmal tiefer denkt, schaltete ich mein Gehirn aus und ließ die Frage eine Etage weiter nach unten sacken.

Nachdem mein Herz einige Zeit nachgedacht hatte, meldete es sich zu Wort: „Schwarz ist ein Spiegel. Ich sehe nichts darin als das, was in meiner Seele vorgeht.“ „Schon besser“, lobte der Indianer. „Aber denk noch einmal tiefer nach.“

Die Antwort, die aus der Tiefe kam

Tiefer, dachte ich, also noch eine Etage tiefer. Gedacht, getan: Mein Herz reichte die Frage also an meinen Bauch weiter. Gar nicht so unpassend, denn nicht umsonst spricht die moderne Medizin ja auch von der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Und ähneln nicht die Darmwindungen den Hirnwindungen? Der Darm ist möglicherweise das Schlaueste in uns.

Meine Eingeweide rumorten eine Weile im Dunkeln vor sich hin. „Schwarz ist der Zustand vollkommener Weisheit. Denn im Schwarzen ist nichts mehr unterscheidbar. Alles ist eins im Dunkel der schwärzesten aller Nächte.“ Ich blickte den Indianer hoffnungsvoll von der Seite an. Würde er endlich zufrieden sein? Er sann über meine Antwort nach. Ob er mich eine weitere Etage tiefer schicken würde? Dann begann er zu sprechen: „Jetzt hast du ins Schwarze getroffen. Du musst dir nur noch abgewöhnen, darüber reden zu wollen. Denn nicht in den Worten liegt die Weisheit, sondern im reinen Sein.“ Sprach’s und löste sich in schwarzem Rauch auf.

Wenn aber das Schwarze die Weisheit des Ununterscheidbaren ist, liegt dann nicht auch alle Weißheit in ihm? Schwarz ist also Weiß?

Gut gelaunt ging ich nach Hause.

Foto: Lutz Meyer

 

Lutz Meyer ist Texter und Autor. Schwerpunktthemen sind Gesundheit, Bauen und Philosophie.