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Unter dem Namen „Digitale Transformation“ erleben wir eine umfassende Verzifferung des Lebens. Alles, was irgendwie ist oder irgendwo geschieht, wird in Datensätze verwandelt. Bei oberflächlicher Betrachtung ergibt sich daraus ein umfassendes Komfortversprechen: Lad dir die App runter und alles wird leichter, schneller, sicherer, bequemer, günstiger, transparenter. Die sogenannte künstliche Intelligenz verspricht, mir das Denken abzunehmen. Manche träumen sogar vom ewigen Leben: Wir transformieren uns zu einem Datensatz, der Tod kann uns nichts mehr anhaben. Als Datensatz leben wir ewig.

Nichts davon stimmt. Sicher ist das Digitale immer nur bis zum nächsten Hack, bequem ist es auch nur in dem Sinne, dass ich alles vom Sofa aus erledigen kann, was aber wiederum meiner Gesundheit schadet. Günstig ist es auch nicht, weil ich Geräte und Speicherplatz vorhalten muss. Und für manche Dienste muss ich sogar zahlen oder ein Abo abschließen. Schnell: Ja, sicherlich geht manches auf Online-Wegen flotter. Aber Schnelligkeit kann sich auch sehr schnell als Stressfaktor erweisen. Die KI als vorläufiger Höhepunkt der digitalen Transformation nimmt mir, wenn ich möchte, sogar das Denken ab – und meine Freiheit obendrein. Gleichzeitig lässt sie meine eigene, nunmehr weniger genutzte Denkfähigkeit erlahmen.  Und natürlich sind wir keineswegs nur ein Datensatz. Ein solches Menschenbild kann nur von Menschen erdacht werden, denen etwas Wesentliches fehlt.

Transparenz: Versprechen und Gefahr

Bleibt die Transparenz. Man fragt sich: Für wen wird es transparenter? Für mich als Nutzer? Dann müsste z.B. absolut klar sein, wer meine Daten wofür genau verwendet. Wir wissen, dass das nicht so ist.  Wird es für Dritte transparenter? Davon kann man ausgehen. Unternehmen zum Beispiel möchten alles über mich wissen – komme ich als Kunde infrage? Was kann man mir sonst noch alles verkaufen? Ist vielleicht noch ein anderes Unternehmen an meinen Daten interessiert?

Auch der Staat will alles über mich wissen: Bin ich ein loyaler, staatsgläubiger Bürger, der alles frisst, was man ihm vorsetzt? Oder ist mir gegenüber Misstrauen angebracht? Empfiehlt sich vielleicht eine verschärfte digitale Überwachung? Eine Hausdurchsuchung gar? Die geplante Abschaffung des Bargelds ist ein weiterer Schritt der digitalen Transformation. Meine Transaktionen können in Echtzeit verfolgt – und bei Bedarf auch gesteuert und gestoppt werden. Das perfekte Mittel, um Dissidenten von allen finanziellen Ressourcen abzuschneiden. Heute friert man Konten ein. Morgen folgt dann die Kernschmelze von Konten.

Oder die elektronische Patientenakte. Wie hieß es? Du allein entscheidest darüber, was gespeichert wird und wer was sehen darf? Dem sollte man wohl besser nicht allzu viel Vertrauen schenken. Die Pharmaindustrie ist an deinen Daten brennend interessiert. Und auch der Staat möchte deine gesundheitlichen Schwachstellen bis ins Detail kennen. Nicht unbedingt, um dir besser helfen zu können.

Die digitale Transformation enthält, das sollte schon jetzt klar sein, alle Elemente einer Dystopie: Eine Menschheit in Fesseln, unfrei, nicht schöpferisch, auf ein Konsumentendasein reduziert und rund um die Uhr überwacht. Der kommende Mobilfunkstandard 6G soll nicht mehr nur Daten übertragen können, sondern als Radar funktionieren und biologische Daten der Nutzer durch Wände hindurch erfassen können: Atmung, Herzfrequenz, Gangbild und ganz sicher auch den Impfstatus eines Individuums. Die Schlinge zieht sich zu.

Aber es besteht Hoffnung. Denn der große Gegenspieler der digitalen Bedrohung ist da. Er war immer schon da und auch nie weg. Zeit ihn kennenzulernen. Es ist die Seele. Demnächst mehr zum Thema.

 

Foto: Lutz Meyer

 

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de