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Bücher

Bücher, Propaganda, Kitsch – es ließen sich viele Brücken bauen zwischen diesen drei Begriffen. Ich mach es mir mal ganz einfach: Bücher, die zu lesen sich lohnt, enthalten weder Propaganda noch Kitsch.

Bücher

Peter Sloterdijk sagte einmal sinngemäß, dass eine anständige Arbeitsbibliothek keine zufällige Ansammlung von Bildungsgütern sei, sondern vor allem Sprengsätze und bewusstseinserweiternde Substanzen enthalte. Dem möchte ich mich anschließen. Die Bibliothek als Waffenkammer hat schon immer auch das Interesse totalitärer Systeme geweckt. Geist galt zu allen Zeiten als gefährlich. Bücherverbrennungen finden heute meist diskret statt, indem Bücher aus öffentlichen Bibliotheken entfernt oder Texte nur noch in überarbeiteter Form zugänglich gemacht werden.

Im Zuge der digitalen Transformation sollen Bücher wohl komplett überflüssig gemacht werden – willst du etwas wissen, fragst du einfach die KI. Was die nicht weiß, musst auch du nicht wissen. Brisante Bücher aus alten Zeiten wird man dann wahrscheinlich generell als Gefahrgut deklarieren. Die schöne neue Welt in Gestalt von Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ nimmt Konturen an.

Propaganda

Die Wahrheit kommt auf leisen Sohlen. Sie wird im Flüsterton weitergegeben oder ist zwischen raschelnden Bücherseiten versteckt. Was laut daherkommt und mit Getöse auf allen Kanälen verbreitet wird, ist in der Regel Propaganda. Man denke an die Corona-Zeit und die 24/7-Propagierung der Spritze, man denke an auch an all die nicht enden wollenden Verlautbarungen zum Klimawandel, zur Massenmigration, zum Krieg im Osten. Hier und da vielleicht ein Körnchen Wahrheit, umhüllt von bombastischen Aussagen, die bewusst und gezielt in die Irre führen.

Ich hatte kürzlich über ein Kriterium der Wahrheitsfindung geschrieben, dass mutmaßlich derjenige im Recht sei, der Nachteile in Kauf zunehmen bereit ist, wenn er seine Meinung äußert. Ich füge ein zweites Kriterium hinzu: Wahrheit braucht keinen Verlautbarungslärm, braucht keine Trommeln und Pfeifen. Die Lüge schon.

Kitsch

Kann ein Sonnenuntergang kitschig sein? Kitsch ist ein Merkmal von Dingen, die der Mensch herstellt. Andererseits kann Kitsch auch in der Art liegen, wie ein Mensch die Dinge der Natur betrachtet. Eine Spur zu viel Sentimentalität – und schon verwandelt sich das Natürliche oder das Erhabene in etwas Kitschiges. Mir kommt gerade dieses wunderbare Gedicht von Heinrich Heine in den Sinn:

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Der Sonnenuntergang selbst ist nie kitschig. Die Art und Weise, wie ich ihn betrachte, kann hingegen kitschig sein. Fotografiere ich ihn oder male ich ihn, gerät es oft zu einer Gratwanderung.

SonnenuntergangFotos: Lutz Meyer

 

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de