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Ein Sonntag mit durchwachsenem Wetter: Kunst im Park in Lüdinghausen. Rund 70 Aussteller gaben Einblick in ihr Schaffen und hofften auf Käufer. Die handwerkliche Qualität der gezeigten Werke war überwiegend gut, teilweise sehr gut, die Preise moderat.

Die meisten Aussteller werden ihre Standgebühren und die Kosten der Anreise wieder hereingeholt haben. Gespräche am Rande zeigten aber, dass Kunst nach wie vor ein schwieriges Geschäft ist. Viele Anbieter konkurrieren um die Aufmerksamkeit vor allem zahlungskräftiger Käufer. Die aber sind selten. Sehr viel seltener als die Künstler. Was bestimmt eigentlich den Wert der Kunst? Was entscheidet über Kauf oder Nichtkauf? Und wie wird man mit Kunst erfolgreich?

Können und Inspiration?

Jedes Kunstwerk braucht zu seiner Entstehung Können, Erfahrung, Inspiration und Zeit. Lässt sich daraus bereits ein Wert errechnen? Den Zeitaufwand mit einem Stundensatz zu multiplizieren erscheint nur auf den ersten Blick als sinnvoll. Letztlich interessiert es den Käufer oder Sammler nicht, wieviel Zeit der Künstler gebraucht hat.

Auch die mehr oder weniger lange Reifezeit im Hintergrund – also das Sammeln von Erfahrung und die Aneignung handwerklichen Könnens – ist kein verlässlicher Faktor der Kalkulation. Manch einer hat Jahre geackert, für die er nie einen müden Euro sieht. Einem anderen gelingt das von allen begehrte Werk aus dem Handgelenk, mühelos fast. Ungerecht? Auch Gerechtigkeit ist in der Kunstwelt kein Maß.

Inspiration? Der göttliche Funke? Die Originalität ist Voraussetzung, ob jemand überhaupt hinschaut. Aber kein Wertindikator. Denn alles, was Kunst ist, ist mehr oder minder originell und inspiriert.

Nüchtern betrachtet: Der Preis bestimmt den Wert

So absurd es erscheint: Es ist der Preis, der den Wert bestimmt. Wird ein Künstler gesammelt und erzielt er auf dem Markt bereits gute Preise, braucht man über den Wert gar nicht lange zu reden. Die vom Markt akzeptierten Werke und Künstler erzielen hohe Preise. Diese Künstler wird man kaum auf Märkten wie dem in Lüdinghausen antreffen. Man findet sie in Galerien, weltweit. Über sie wird in Kunstmagazinen berichtet. Sie sind Selbstläufer.

Die anderen aber – wie sollte man sie nennen? Das etwas verächtliche Wort Hobbykünstler oder Sonntagsmaler steht im Raum. Aber manches von dem, was ich z. B. in Lüdinghausen sah, gefiel mir besser als einiges, was ich als etablierte Kunst kenne. Wie aber wird man als Künstler etabliert? Wie erzielt man wirklich Aufmerksamkeit? Und zwar dauerhaft?

Das Leben entscheidet

Ganz sicher braucht man Kontakte – Leute, die einem weiterhelfen. Leute, die jemanden kennen, die einem weiterhelfen. Man braucht aber auch Präsenz. Nicht nur auf Märkten, auch im Internet – auf Social Media-Kanälen, auf einer eigenen Internetseite –, mit gedruckten Werbematerialien, all das möglichst professionell. Das aber ist nur das Fundament.

Ich schaute mir einige der Künstler als Menschen näher an, beobachtete sie. Einige versteckten sich hinter ihren Werken, anderen traten offensiv hervor, sprachen mögliche Interessenten an. Das wiederum wird nicht von jedem als angenehm empfunden. Auch hier scheint es kein Patentrezept zu geben.

Aber es ist ein Fingerzeig in die richtige Richtung: Letztlich funktioniert hier nichts ohne die Persönlichkeit des Künstlers. Diese Persönlichkeit sollte natürlich, frei und echt wirken, authentisch und glaubwürdig. Der schrille Auftritt wirkt wie eine billige Oberfläche, unter der sich nichts verbirgt. Das stößt ab. Auch die Neigung vieler Künstler, sich politischen Zeitgeistströmungen anzudienen und das Mäntelchen nach dem Wind zu hängen, ist alles andere als ein Erfolgsgarant. Jeder Wind wird sich irgendwann drehen.

Die natürliche Präsenz aber, die unverfälschte Lebendigkeit eines Künstlers weckt Interesse. Interesse am Werk, am Schaffen – und Neugier auf das Leben dahinter. Wer ist dieser Mensch? Woraus lebt seine Kunst? Das alles leuchtet, strahlt aus einem Menschen. Dieses innere Feuer zieht andere Menschen magisch an. Fehlt es, mag einer technisch noch so versiert sein – man sieht ihn nicht. So wird es letztlich das Leben selbst sein, das über Erfolg oder Nichterfolg als Künstler entscheidet.

 

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de