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Magische Orte: die Spalte im Fels, die Höhle

Seit jeher hat der Mensch sich als Kind von Mutter Erde begriffen. Spalten im Fels und dahinter sich öffnende Höhlen boten Schutz und Geborgenheit, waren Wohnort, Ort der Zeugung, des familiären Beisammenseins wie auch Begräbnisort.  Von seiner Mutter in einer Höhle verborgen, entging der neugeborene Zeus der mörderischen Gefräßigkeit seines Vaters.

Spalten im Fels

Kaum jemand, der im auf einen Spalt im Felsgestein stößt, wird der Versuchung widerstehen können, dort einzudringen, sofern der Spalt nur breit genug ist. Die mysteriöse Dunkelheit und Feuchtigkeit, die Aura des Geheimnisvollen, die einen empfangen, kaum dass man drei, vier Schritte gegangen ist, sind für ein abenteuerliches Herz allzu verlockend.

Die Spalte ist auch und vor allem ein machtvolles Symbol für Weiblichkeit, Lust und Geburt. Das hat Gustave Courbet 1866 mit seinem Gemälde L‘origine du monde skandalträchtig erfasst. Die Vagina zeigt die wilde Ursprünglichkeit des Lebens. Der eigentliche Skandal war wahrscheinlich weniger die Unmittelbarkeit des Motivs, als vielmehr der geradezu brutale Realismus des Bildtitels: Da ist nichts Erhabenes, nichts Göttliches am Menschen, da ist nur die dunkle Feuchtigkeit einer Spalte. Die Herkunft der Welt wird man kaum anschaulicher und nüchterner darstellen können als Courbet es tat.

Magische Orte: L'origine du monde (Courbet)Andere magische Orte

Wiesen, Wälder und Bäche formen eine Landschaft, in der sich gut leben lässt. Der Hirte kommt hier ebenso auf seine Kosten wie der Jäger und Sammler und auch der Fischer. Da ist noch keine Mühsal spürbar, wie später der Ackerbauer sie zu ertragen hatte.

Der Meinung, dass erst mit der Landwirtschaft eine Vorratshaltung möglich wurde, kann ich nur begrenzt zustimmen. Zwar kann das bestellte Land mehr essbare Pflanzen erzeugen als Wald und Wiese mit ihren Kräutern, Wurzeln und Beeren. Doch auch der Bauer bleibt abhängig von den Launen der Natur.

Orte wie dieser im Innerstetal geben dem Menschen auch heute noch innere Ruhen und Seelenfrieden. Solche Auenlandschaften mit ihrem Reichtum an essbaren und heilenden Pflanzen, an Wild, Wasservögeln und Fischen sind wie die bergende Höhle Urheimat des Menschen.

Magische Orte: Auenlandschaft

Fotos: Lutz Meyer (Felswand, Auenlandschaft), Wikipedia (Courbet)

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de