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Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und die ihnen zugeordneten Institutionen sind normierende Kräfte. Sie versuchen, den Menschen so zu formen, dass er ihren Zielsetzungen dient – der einzelne Mensch soll ins Getriebe passen, eine konkrete Funktion erfüllen. Abweichungen von der Norm sind unerwünscht und zu vermeiden. Dieser Normierungsprozess erscheint uns als unumgänglich. Doch das ist er nicht. Denn als Menschen bewegen wir uns in einem unendlichen Meer der Möglichkeiten.
Möglichkeiten: Freiheit der Gestaltung
Möglichkeiten abseits der Normierung können jederzeit ergriffen werden. Es beginnt mit einem einfachen, beherzten „Nein“ zur weiteren Teilhabe am normierenden Betrieb. Doch ist dieses „Nein“ wirklich immer einfach?
Während der Corona-Zeit war dieses „Nein“ mit der Inkaufnahme massiver Nachteile verbunden: Als Ungeimpfter wurde man hier ausgeschlossen, durfte dort nicht rein, musste man als Ausgegrenzter in jeder Hinsicht draußen bleiben – bei gleichzeitig wachsendem Druck, in die Norm zurückzukehren. Auch in anderen Lebensbereichen hat ein „Nein“ Konsequenzen. Der Betrieb schätzt es nicht, wenn man aus der Norm ausbricht.
Dennoch ist so ein „Nein“ einfach, nämlich im Sinne der Klarheit und Schlichtheit und Unmissverständlichkeit. Ein „Nein“ kann eben nicht anders interpretiert werden. Einfach ist das „Nein“ auch im Sinne der Leichtigkeit: Einmal ausgesprochen und umgesetzt, durchströmt ein befreiendes, erleichterndes Gefühl denjenigen, der „Nein“ gesagt hat. Doch das ist nur der Anfang.
Die Wahl der Möglichkeiten
Dem Akt der Befreiung vom Normierungszwang folgt der eigentliche Gang ins Freie: das Ergreifen einer Möglichkeit und die Umsetzung dieser Möglichkeit in Wirklichkeit. Ist es nun beliebig, welche der zahllosen Möglichkeiten ein Mensch ergreift, ist es zufällig oder gleichgültig?
In jedem Menschen wohnt ein Drang zur freien Gestaltung seines Lebens – dieser Drang ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Ergreife ich eine konkrete Möglichkeit, setze ich sie um, entsteht alles, aber keine neue Norm, weil jede ergriffene Möglichkeit wiederum zahlreiche Spielarten und Nuancen offenlässt. Einmal im Freien, verbleibe ich dort. So entsteht Wirklichkeit, die ich selbst erschaffe. Doch ist sie tragfähig, wenn um mich herum der Normierungsdruck erhalten bleibt?
Aus Möglichkeiten wird Wirklichkeit
Es geht bei der selbst erschaffenen Wirklichkeit nicht um Wunschdenken, Tagträumerei oder Realitätsflucht. Das wäre in der Tat eine schwache Wirklichkeit, die jederzeit von der harten Realität der Normierung eingeholt werden kann.
Gemeint ist etwas anderes: Wenn wir uns für das, was wir aus innerster Überzeugung als unsere Wirklichkeit ansehen, bejahend in unser Dasein holen, werden die Umstände sich entsprechend ordnen. Es ist eine Art seelischen Magnetismus, der hier wirkt – wir ziehen das an, was wir im Innersten bereits sind. Wenn wir bereit sind, zu empfangen, werden wir in neue Sicherheit eintreten. Frei, ohne Zwang, ohne Norm.
Foto: Lutz Meyer