Zu meinem letzten Beitrag bekam ich was zu hören bzw. zu lesen…

Es sind die kleinen Momente, die nachhallen. Die mitten im Alltag passieren und sich nicht planen lassen. Die anfangs ganz unscheinbar sind und wie eine Lawine Gedanken ins Rollen bringen. So einen Moment erlebte ich neulich während eines beruflichen Telefonats. Es war ein Interview für ein Stadtmagazin mit einem Autor, der im Herbst in der örtlichen Stadthalle aus seinem Werk vorlesen wird. Ich hatte sein Buch vorab gelesen und mir zwei, drei Interviews mit ihm über sein neuestes Werk im Internet angeschaut. Das Buch selbst handelt von der Großmutter. Es ist kein Roman, sondern eher eine Erinnerungsreise an eine Frau, die vor mehr als 40 Jahren verstorben ist. „Ich wollte die Erinnerungen an sie zum Leben erwecken. Und habe ich mich gefragt, ob das überhaupt geht. Außerdem wollte ich das Lesepublikum auf diese interessante Frau aufmerksam machen“, erzählte mir der Autor auf meine Frage, was der Anstoß zu dem Buch gewesen wäre.
Wir hatten einen straffen Zeitplan, weil sich beim Autor spontan ein anderer Termin dazwischengeschoben hatte. Und auch bei mir tickte innerlich die Uhr mit, immerhin bezahlen Redaktionen ihre Freien bekanntlich nicht gerade üppig. Jedenfalls hatte ich meine vorbereiteten Fragen auf einem Zettel stehen und nicht allzu hohe Erwartungen, da meine journalistischen Kollegen und Kolleginnen aus Print, Hörfunk und Fernsehen schon alle Fragen gestellt hatten, die einem zu dem Buch einfallen. Auch hatte ich beim Lesen eine leichte Antipathie gegen die Großmutter verspürt. Doch dann war er da, der Moment.
Ungeplant kamen wir ins Plaudern. Ich merkte, dass der Anflug von Antipathie nur aufgrund eines Bildes, das ich mir gemacht hatte, entstanden war. Plötzlich sah ich deutliche Parallelen zu meiner Oma – und damit zu vielen anderen Frauen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt, Flucht und Vertreibung und in ihrem Leben immer wieder neu angefangen hatten.
Nachdem ich mich bei Hubertus Meyer-Burkhardt für das sehr inspirierende Gespräch bedankt hatte, sind die Erinnerungen an meine Oma noch in mir nachgehallt. Und abends habe ich lange mit meiner Mutter, der ich das Buch „Die Sonne schient immer. Für die Wolken kann ich nichts“ zum Lesen gegeben hatte, über das geredet, was einen Menschen prägt und ausmacht. Über Schicksalsschläge, Optimismus und einen Lebenshunger, der keine Traurigkeit zulässt.