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Die Wellen spülen so manches an den Strand, leider auch immer mehr Plastikmüll. Doch selbst ein solcher Fund kann etwas Besonderes haben. So fand ich gleich drei Fischer- oder Netzkugeln aus mintfarbenem Kunststoff, von Seepockenüberresten übersät.

Man betrachtet sie, die Phantasie beginnt zu arbeiteten. Erinnern diese Kugeln nicht an einen Planeten? Gibt es Leben dort? Ist er bewohnbar? War er einmal bewohnt, ist nun aber öde und verlassen?

Betrachtet man die verkrustete, bizarr geformte Oberfläche aus den kalkigen Überresten der Seepocken, aus denen längst alles Leben gewichen ist, wäre der Planet als öde und tot zu klassifizieren.

Die Frage nach der Bewohnbarkeit für Menschen ist heute die Standardfrage – man möchte den geplünderten Heimatplaneten Erde verlassen und neue, noch nicht ausgebeutete Räume in Besitz nehmen. Doch nicht jeder ins Visier genommene neue Planet wird die hohen Erwartungen erfüllen. Vielleicht glaubte man Korallenriffe in einladend karibikgrünem Wasser zu erkennen und findet doch nur eine trockene Ödnis vor.

Die spannendste Frage ist die, ob es dort irgendeine Form von Leben geben könnte. In Bezug auf die  Seepockenpopulation müsste man sagen: Nein, nicht mehr. Fasst man den Begriff des Lebens aber weiter als unendlichen Prozess des Werdens und Vergehens und erneuten Werdens, es letztlich alles Leben. Selbst ein Kunststoff besteht aus Elementen, die in nur minimal anderer Konstellation Leben hervorbrächten. Und lässt man die Kugeln nur lange genug liegen, werden sie vielleicht irgendwann von kleinen Spinnen besiedelt werden. Also ja, Leben ist dort möglich. Unbedingt.

Foto: Lutz Meyer

 

 

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de