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Nach einem allzu redseligen Mineralwasser nun auch noch ein Tee aus dem Hause Sonnentor. Inhalt und Geschmack sind nicht zu beanstanden. Wohl aber das Bestreben des Herstellers, mir einen ordentlich Schuss Wohlfühlmoral in meinen Tee zu geben.

Dankbarkeit, so säuselt es mir von der einen Tüte entgegen, öffne die Tür für mehr Fülle im Leben. Wohl wahr. Aber ist es die Aufgabe eines Teebeutels, mir reinen Wein einzuschenken über eine ebenso wahre wie banale Grundtatsache des Lebens? Die zweite Tüte dient sich wortwörtlich gar als Umarmung von innen an – mich schaudert’s. Peinlich der Gedanke, so etwas einem Gast zu kredenzen.

Der Inhalt ist bei beiden Tüten übrigens identisch: Zitronenmelisse, Holunderblüten, Orangenschalen, Rosenblüten, Orangenblüten, Orangengranulat. Offenbar kann ich mit diesem Mix sowohl Gefühle der Dankbarkeit erzeugen als auch – wenn niemand da ist, dem ich dankbar sein möchte – eine innere Umarmung erlangen. Ein Tee mit Moral und Doppelnutzen sozusagen.

Leute, lasst so etwas. Schreibt auf den Teebeutel, was drin ist. Den Rest überlasst getrost dem Verbraucher.

Foto: Lutz Meyer

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de