Unweit von Hvide Sande steht dieses Leuchtfeuer. Wie ein bleicher Knochen ragt…

An der dänischen Westküste finden sich zahlreiche Relikte aus dem zweiten Weltkrieg – deutsche Bunkeranlagen, Reste des Atlantikwalls. Die meisten sind verziert mit Graffitis. Während es in den zurückliegenden Jahrzehnten üblich war, diese Ruinen mit einem gewissen Schauder als Überbleibsel von etwas zu betrachten, das abgeschlossen in der Vergangenheit ruhte und niemals wiederkehren würde, sieht man diese Betonmonster heute mit anderen Augen: Sie stehen für etwas, das wiederkehren wird. Krieg. Eine Zeitenwende findet gerade in den Köpfen statt.
Zeitenwende: Kriegsbegeisterung an der Schwelle zum Wahnsinn
Derzeit wissen deutsche Politiker aller Couleur sich kaum zu lassen vor Kriegsbegeisterung. Merz, Hofreiter, Strack-Zimmermann, Kiesewetter, Pistorius und wie sie alle heißen mögen, zeigen sich zuversichtlich, dass die Bundeswehr bald wieder Richtung Osten marschiert. Sie, die keinen Krieg aus eigener Anschauung kennen, üben sich in nassforscher Kriegsrhetorik, die man zumindest in Deutschland für alle Zeiten erledigt glaubte.
Gut, sie alle werden vermutlich ihren Profit einfahren im Zusammenhang mit Aufrüstungsbestrebungen und haben damit ein rationales Motiv. Dennoch scheint mir diese Vorfreude wahnhafte Züge zu tragen – ein Krieg gegen Russland wird Deutschland wieder einmal als Trümmerwüste hinterlassen. Dieses Mal aber möglichweise so, dass ein Wiederaufbau kaum möglich sein würde. Zeitenwende, Zeitenende.
Foto: Arne Meyer