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Das Leuchtfeuer

Unweit von Hvide Sande steht dieses Leuchtfeuer. Wie ein bleicher Knochen ragt es zwischen den Dünen empor. So ein Leuchtfeuer zeigt den Schiffen bei Nacht an, wo sie sich befinden. Es gibt Orientierung und Sicherheit. Es gab allerdings auch immer schon Leuchtfeuer ganz anderer Art.

Das Leuchtfeuer, das in die Irre führt

In früheren Zeiten entzündeten Küstenbewohner mitunter Leuchtfeuer, um Schiffe in die Irre zu führen. Man führte so gezielt Strandungen herbei. War das Schiff aufgelaufen, machten sich diese Strandpiraten über das Schiff her, raubten es aus. Da eine solche Tat besser keine Zeugen hinterlässt, wurde die Besatzung beseitigt, das Schiff zerlegt, das Holz anderweitig verwendet.

Strandpiraten gibt es heute kaum noch. Das gezielte In-die-Irre-führen ist heute indes beliebter denn je. Es wird nicht mehr vorrangig von Küstenbewohnern betrieben, sondern von Medienleuten. Von sogenannten Qualitätsjournalisten ebenso wie von manchen Betreibern alternativer Kanäle. Noch nie standen so viele Möglichkeiten zur Verfügung, sich zu informieren. Und noch nie war die Gefahr so groß, absichtlich in die Irre geführt zu werden.

Was tun? Man kann natürlich viel Zeit aufwenden, um Nachrichten zu prüfen, Quellen zu studieren, Widersprüchliches zu analysieren, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, um auf diese Weise eine halbwegs sichere Orientierung zu erlangen. Der Blogger Hadmut Danisch ist so einer.

Man kann aber auch mit dem sicheren Wissen, ohnehin verarscht zu werden, das ganze Getöne und Gequake abschalten und sich wesentlicheren Dingen zuwenden.

Foto: Lutz Meyer

 

Lutz Meyer ist Philosoph und Autor. Sein wichtigstes Thema: die Lebenskunst. Mehr hierzu auf besser-mit-kunst.de Auch interessant: wort-und-bogen-de