
In einen Hundehaufen zu treten gehört zu den unangenehmeren Dingen des Alltags. Besonders dann, wenn man es erst nach dem Betreten eines Innenraumes bemerkt. Insofern sind die seit den 1990er Jahren üblichen Hundekotbeutel eine zivilisatorische Errungenschaft.
Fragwürdiger Umgang mit Hinterlassenschaften
Was in der Stadt überaus sinnvoll ist, erscheint selbst mir als Nichthundehalter außerhalb einer Ortschaft eher übertrieben. Wenn der Hund sich auf einem Flecken erleichtert, den niemals jemand betreten oder zur Gewinnung von Tierfutter mähen wird – kann der Haufen dann dort nicht liegen bleiben? Muss denn wirklich alles, was ein Vierbeiner irgendwo abgesetzt hat, zur korrekten Entsorgung eingetütet werden? Kann das nicht in Ruhe den Weg alles Irdischen gehen? Katzenkot müssen die Halter schließlich auch nicht entfernen.
Protestler und nur gedankenlos?
Dann aber gibt es jene speziellen Hundehalter, die die Hinterlassenschaft ihres Vierbeiners zu ihrer eigenen machen: Der Hundekot wird säuberlich eingetütet, die Tüte ordentlich verknotet – und dann in Ermangelung eines Mülleimers irgendwo abgestellt oder aufgehängt.
Was mag in solch einem Hirn vor sich gehen? Betrachtet so ein Mensch sein Handeln als stillen Protest gegen die Tütenpflicht oder den Mangel an Mülleimern in der Natur? Findet er das womöglich witzig? Oder denkt er ernsthaft, dass irgendwer sich schon darum kümmern wird?
Spannend finde ich auch die Frage, ob und wie oft dieser Mensch erneut einen Blick auf das von ihm zur Schau gestellte bzw. gehängte Beutelchen werfen wird. Täglich oder mehrmals täglich, beim Gassigehen etwa? Mit welchen Gefühlen wird er es betrachten? Verdruss, weil es noch dort hängt? Scham, weil man so etwas ja eigentlich nicht macht?
Ich denke, dass wir hier quasi im Vorbeigehen auf ein höchst spannendes Thema für ambitionierte Kulturanthropologen gestoßen sind.
Foto: Lutz Meyer